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Allgemein

14. April 2026

Jugend gegen Kriegsdienst

Der Schulstreik richtete sich gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht. In einer Zeit, die von Krisen, Kriegen und wachsender Unsicherheit geprägt ist, wird Militarisierung zunehmend als notwendige und beinahe zwangsläufige Antwort dargestellt. Gerade deshalb ist dieser Protest wichtig. Schwierige Zeiten rechtfertigen keine militärischen Lösungen. Sie machen die Suche nach friedlichen Alternativen umso wichtiger.

Der Streik selbst verlief ruhig, organisiert und bewusst gewaltfrei. Bundesweit gingen Schüler*innen in vielen Städten auf die Straße. Die Forderungen waren überall dieselben: keine Wehrpflicht, keine weitere Militarisierung, keine Normalisierung militärischen Denkens. Dass junge Menschen dafür die Schule verlassen, ist kein vereinzelter Akt kleiner Gruppen, sondern Ausdruck eines bundesweiten Großstreiks. Er zeigt Betroffenheit und Verantwortungsbewusstsein. Es geht um ihre Zukunft, ihre Freiheit und im Ernstfall um ihr Leben.

Wehrpflicht bedeutet staatlichen Zwang. Sie greift direkt in die Selbstbestimmung junger Menschen ein und erklärt sie zu verfügbarer Ressource für sicherheitspolitische Konzepte. Zeit, Körper und Lebensplanung werden der militärischen Vorbereitung untergeordnet. Wer davon betroffen ist, hat nicht nur ein Recht, sondern eine demokratische Pflicht, sich zu äußern. Freiheit ist kein bloßer Wert auf dem Papier. Sie muss dort verteidigt werden, wo sie konkret eingeschränkt werden soll.

Besonders problematisch ist, dass über diese Fragen häufig von älteren Generationen entschieden wird, die selbst nicht mehr betroffen sind. Dieses Muster ist nicht neu. Es zeigt sich auch bei Themen wie dem Klimaschutz und anderen zukunftsrelevanten Fragen. Während in Bereichen wie Bildung, die jungen Menschen Perspektiven eröffnen und sie zu gesellschaftsfähigen Mitbürgern erziehen soll, zunehmend Mittel gekürzt werden, scheinen für militärische Aufrüstung nahezu unbegrenzte finanzielle Ressourcen zur Verfügung zu stehen. Über die langfristigen Konsequenzen dieser politischen Prioritäten wird gesprochen, ohne diejenigen einzubeziehen, die sie tragen müssen. Wenn über die Zukunft junger Menschen autoritär entschieden wird, entsteht eine Verpflichtung zum Widerspruch.

In diesem Zusammenhang wird der Schulstreik häufig dafür kritisiert, dass er während der Unterrichtszeit stattfindet. Diese Kritik verkennt den Sinn eines Streiks grundlegend. Ein Streik lebt davon, den normalen Ablauf zu unterbrechen und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Würde der Protest in der Freizeit stattfinden, wäre er politisch weitgehend wirkungslos. Ohne Sichtbarkeit gibt es keine öffentliche Debatte, ohne Störung keinen Druck. Ein Streik, der niemanden stört, ist kein Streik.

Umso bedenklicher ist es, dass einzelne Schulen mit Maßnahmen gegen streikende Schüler*innen gedroht haben, mit schlechten Noten bis hin zu Schulverweisen. Statt jungen Menschen zu ermöglichen, ihre demokratischen Rechte wahrzunehmen, wird der Protest sanktioniert.

Damit wird politische Beteiligung auf leises und folgenloses Mitmachen reduziert.

Gerade junge Menschen lernen durch Protest, was politische Teilhabe bedeutet. Sie lernen, dass Entscheidungen nicht naturgegeben sind, sondern gemacht werden und deshalb auch hinterfragt werden können. Wer Jugendlichen diese Erfahrung verwehrt, schwächt nicht nur ihren politischen Mut, sondern langfristig die Demokratie selbst.

Militarisierung wird häufig als Mittel für Sicherheit dargestellt. Doch diese Annahme ist fehlerhaft. Mehr Waffen schaffen kein Vertrauen, sondern verstärken Spannungen. Aufrüstung erzeugt Abschreckung und Misstrauen. Sicherheit, die ausschließlich militärisch gedacht wird, ist instabil. Sie basiert auf der Bereitschaft zur Gewalt und auf der Annahme, dass Konflikte letztlich mit Zwang gelöst werden müssen.

Ein pazifistischer Ansatz stellt diesem Denken bewusst etwas anderes entgegen. Er bedeutet die konsequente Suche nach friedlichen Lösungen, gerade dann, wenn die Lage schwierig ist. Diplomatie, internationale Zusammenarbeit, soziale Gerechtigkeit und politische Deeskalation sind Voraussetzungen für nachhaltige Sicherheit.

Der Schulstreik gegen die Wehrpflicht macht sichtbar, dass Militarisierung keine alternativlose Reaktion auf Krisen ist, sondern eine politische Entscheidung. Und politische Entscheidungen dürfen und müssen kritisiert werden. Besonders dann, wenn sie tief in individuelle Freiheiten eingreifen.

Dieser Schulstreik ist deshalb mehr als ein symbolischer Protest. Er ist ein demokratischer Akt einer jungen Generation, der nicht bereit ist, Entscheidungen über ihre Zukunft widerspruchslos hinzunehmen. Entscheidungen, die als Lösung der Probleme der älteren Generationen dienen sollen. Sich der Militarisierung entgegenzustellen, bedeutet, für eine Form von Sicherheit einzustehen, die auf Frieden, Freiheit, Mitbestimmung und Verantwortung basiert.

Richard W. I. Reiß
Landesverband Sachsen-Anhalt-Thüringen

Kategorie: Allgemein

4. April 2026

!Friedensstadt Freiburg! – Eine Vision soll Wirklichkeit werden

 

Wie kann eine Stadt aktiv zum Frieden beitragen – jenseits von Rhetorik und wohlgemerkt in Zeiten der Aufrüstung und Militarisierung? Freiburg zeigt mit der Vision einer „Friedensstadt“, wie aus in Erinnerung, dank einer regen Zivilgesellschaft und konkreten Projekten eine lebendige Kultur des Friedens entstehen kann.

An einem Montagabend in Freiburg: ein ohrenbetäubender Lärm, Detonationen, Schreie, ein Flammenmeer. 25 Minuten später waren rund 3000 Menschen tot, tausende verletzt oder verschüttet. 80 Prozent der Altstadt war dem Erdboden gleichgemacht. Dieser 27. November 1944 blieb lange ein Trauma der Stadt Freiburg. Vielen anderen Städten erging es im Zweiten Weltkrieg ähnlich.

„Nie wieder Krieg!“ lautete der Schwur nach der Befreiung vom Faschismus. In diesem Sinne verhängten verhängten die Alliierten nach Kriegsende ein weitgehendes Verbot der Produktion und des Besitzes von Kriegswaffen.

Dies fand bereits Anfang Sechzigerjahre in Freiburg ihr Ende, wie die hiesige Gründung der LITEF GmbH seitens des US-Konzerns Litton Industrie 1961 belegt. Heute produziert und exportiert die Northrop Grumman LITEF GmbH in Freiburg hochkomplexe, sicherheitskritische Sensor- und Navigationssysteme für topmoderne Kriegswaffen, wie Kampfflugzeuge, Panzer, Kriegsschiffe und Drohnen. Sie ist Teil des Rüstungsriesen Northorp Grumman Corporation in Virginia (USA).

Erfreulicherweise war es 1984 gelungen, Freiburg zur atomwaffenfreien Zone zu erklären. Lange Jahre stand der Slogan auf den gelben Stadtschildern an den Ortseingängen. 2005 entschied der Gemeinderat zusätzlich, dass Freiburg sich der weltweiten Bewegung „Mayor for Peace“ anschließt.

„Global denken, lokal handeln“ inspirierte einst die Umweltbewegung. 2022, nach dem Überfall des russischen Militärs auf die Ukraine, leitete diese Idee die Gründung des neuen Friedensbündnisses ein. Wir begannen Vorschläge für die Vision einer friedensstiftenden Stadt zu sammeln – um dann im Februar 2024 offiziell das Bündnis “!Friedensstadt Freiburg!” zu gründen. So konnten wir ein Konzept mit vielfältigen Szenarien und Handlungsansätzen zfür eine konkrete Vision entwerfen.

Mit vielfältigen Formaten – Festen, Vorträgen, Diskussionen und Diskursen, interkulturellen Begegnungen, internationalen Sportevents und kulturellen Veranstaltungen – tragen wir zum Frieden bei. Wir fördern das Kennenlernen, den Dialog und das gegenseitige Vertrauen zwischen den Menschen und ermöglichen gemeinschaftliches Handeln.

Dabei geht es uns um eine in der Stadt gelebte Kultur des Friedens. Der Friedensgedanke soll in der Stadtgemeinschaft verankert sein und das öffentliche wie alltägliche Leben prägen. Unsere „10 Visionen des Friedens“ sollen Schritt für Schritt in die Realität umgesetzt werden. Die erste Leitidee, „Frieden durch Friedensbildung“, folgt der Überzeugung Mahatma Gandhis, dass echter Frieden bei den Kindern seinen Anfang nehmen muss.

Durch vielfältige Begegnungsformate sollen Dialog und gegenseitiges Vertrauen gestärkt werden. Ein internationales Friedensfestival könnte dazu beitragen, bei jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Kultur bestehende Vorurteile und Feindbilder abzubauen. Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und nachhaltige ökologische Entwicklung sollen im Fokus stehen.

Schließlich wird die Stadt ermutigt, gemeinsam mit der gesamten Stadtgesellschaft eine entmilitarisierte Modellstadt für eine zivile, soziale und gewaltfreie Verteidigung aufzubauen. Dazu gehören differenzierte Aktionspläne, Trainings- und Schulungskonzepte, oder Übungen für Boykotte und zivilen Ungehorsam. Einem etwaigen Aggressor soll vermittelt werden, dass es sich “nicht lohnt”, diese Stadt zu besetzen.

Das offene Bündnis “!Friedensstadt Freiburg!“ versteht sich als überparteiliche, demokratische Initiative, die ein friedensförderndes Miteinander in Vielfalt und Toleranz anstrebt. Es wird unter anderem vom DGB, der Inta-Stiftung, Pax Christi Freiburg, dem RüstungsInformationsBüro, der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion und jüngst auch von Greenpeace unterstützt.

Aktuell werden Aktionen von Jugendorganisationen gegen die Einführung der Wehrpflicht, eine öffentliche Dialogveranstaltung zum Thema Friedensstadt Freiburg mit OB-Kandidat*innen und mittelfristig ein Jugend-Friedens-Festival sowie konkrete Initiativen zur Friedensbildung vorbereitet.

Dieses Vorbild und den Schwur nach dem Zweiten Weltkrieg ernstnehmend, fördern wir unsere Mitmenschen auf, aktiv n einer Welt ohne Waffen mitzuarbeiten.

Unsere 10 Visionen und weitere Informationen siehe https://friedensstadt-freiburg.de/
Kontakt: graesslin@dfg-vk.de

Günter Rausch und Jürgen Grässlin
Die beiden Autoren sind Mitbegründer und Mitarbeiter im Organisationsteam der !Friedensstadt Freiburg!; Jürgen Grässlin ist Bundessprecher der DFG-VK.

Kategorie: Allgemein

2. April 2026

Wie der Krieg hierzulande vorbereitet wird – Beton, Bomben, Autobahnen

Krieg beginnt nicht erst mit dem ersten Schuss. Er beginnt leise: in Kabinettsbeschlüssen, Bebauungsplänen, Investitionsprogrammen. Er beginnt dort, wo Produktionskapazitäten geschaffen, Infrastrukturen umgewidmet und historische Erinnerungsorte ihrer Bedeutung beraubt werden. Zwei aktuelle Entwicklungen zeigen das in bedrückender Klarheit: eine neue Produktionsstätte für schwere Bomben von Rheinmetall in Berlin-Wedding – und ein Infrastrukturgesetz, das Deutschland zur militärischen Drehscheibe Europas machen soll.

Bombenproduktion am Ort des Luftschutzes

In Berlin-Wedding, unweit des Flakturm Humboldthain, entsteht eine neue Produktionsstätte für schwere Bomben. Der Ort könnte zynischer kaum gewählt sein. Direkt neben einem Bauwerk, in dem während des Zweiten Weltkriegs bis zu 40 000 Menschen Schutz vor Bombenangriffen suchten, sollen nun erneut Waffen produziert werden, die Tod und Zerstörung bringen.

Der Flakturm im Humboldthain ist nicht irgendein Relikt. Er steht für den industrialisierten Luftkrieg, für die totale Mobilmachung, für eine Gesellschaft, die sich bis in ihre Städte hinein auf Vernichtung eingestellt hatte. Dass ausgerechnet hier – an einem Ort, der Mahnung und Erinnerung zugleich ist – heute wieder Kriegsproduktion angesiedelt wird, zeigt, wie brüchig das vielbeschworene „Nie wieder“ geworden ist. Erinnerung wird museal verwaltet, während nebenan die nächste Eskalationsstufe vorbereitet wird.

Rheinmetall steht exemplarisch für diese neue Normalität. Der Konzern profitiert massiv von Aufrüstung und Kriegsangst. Die Produktion wird ausgeweitet, Standorte werden gesichert, neue geschaffen. Dass dies mitten in einer Großstadt geschieht, wird dabei kaum noch als Skandal wahrgenommen. Krieg rückt näher – nicht nur geografisch, sondern auch gesellschaftlich.

Autobahnen für Panzer statt für Menschen

Parallel dazu treibt die Bundesregierung mit dem sogenannten Infrastruktur-Zukunftsgesetz einen grundlegenden Umbau voran. Öffentlich verkauft als Modernisierung von Straßen, Schienen und Brücken, dient das Gesetz zunehmend einem anderen Zweck: Deutschland soll zur militärischen Drehscheibe in Europa werden. Schweres Kriegsgerät soll künftig möglichst schnell und reibungslos über Autobahnen und Schienenwege an die Ostflanke der NATO verlegt werden können.

Was technisch als „Resilienz“ und „Ertüchtigung“ beschrieben wird, ist politisch eine klare Weichenstellung. Brücken werden auf höhere Lasten ausgelegt, Verkehrswege priorisiert, Genehmigungsverfahren verkürzt. Umwelt- und Klimaschutz geraten dabei unter die Räder. Die Deutsche Umwelthilfe spricht von einem „Generalangriff auf den Klimaschutz“ – und trifft damit einen wunden Punkt. Während Milliarden für militärisch nutzbare Infrastruktur bereitgestellt werden, fehlen sie bei sozialer Daseinsvorsorge, bei zivilem Katastrophenschutz, bei der dringend notwendigen Verkehrswende.

Deutschland wird so nicht nur logistischer Knotenpunkt, sondern Teil der operativen Kriegsplanung. Autobahnen werden zu Aufmarschachsen, Bahnhöfe zu Umschlagplätzen für Panzer und Munition. Die Grenze zwischen ziviler und militärischer Nutzung verschwimmt – mit allen Risiken, die das im Ernstfall für die Bevölkerung bedeutet.

Normalisierung der Vorbereitung

Beide Entwicklungen folgen derselben Logik: Krieg wird nicht mehr als Ausnahme, sondern als Planungsgrundlage behandelt. Produktionsstätten für Bomben gelten als „Industriearbeitsplätze“, militärische Infrastruktur als „Zukunftsinvestition“. Die gesellschaftliche Debatte hinkt hinterher, kritische Stimmen werden marginalisiert oder als naiv abgetan.

Doch wer hinschaut, erkennt das Muster. Kriegsvorbereitung heißt heute: industrielle Kapazitäten schaffen, Transportwege sichern, rechtliche Hürden abbauen. Es heißt auch, historische Erfahrungen zu entkoppeln von aktuellem Handeln. Der Flakturm im Humboldthain wird zum stillen Zeugen einer bitteren Ironie: Schutzräume von gestern stehen neben den Waffen von morgen.

Widerstand bleibt notwendig

Gerade deshalb braucht es Widerspruch. Die Frage, wie Sicherheit definiert wird, darf nicht allein Militärs, Rüstungskonzernen und sicherheitspolitischen Thinktanks überlassen werden. Sicherheit entsteht nicht durch immer mehr Bomben und immer schnellere Truppenverlegungen, sondern durch Diplomatie, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und zivile Konfliktbearbeitung.

Die Vorbereitung auf Krieg ist kein Naturgesetz. Sie ist Ergebnis politischer Entscheidungen – und damit auch politisch angreifbar. Orte wie der Humboldthain erinnern daran, wohin Militarisierung führt. Es liegt an uns, ob diese Erinnerung handlungsleitend bleibt oder endgültig von Beton, Stahl und Bomben überdeckt wird.

Yannick Kiesel

Kategorie: Allgemein

24. März 2026

Friedensprofile – Interview Linn Stalsberg

[English version below]

Linn Stalsberg (*1971) ist eine norwegische Journalistin, Soziologin und Autorin. Sie hat einen Master
in Soziologie von der London School of Economics und arbeitete als Journalistin für Verdens Gang,
Dagbladet, NRK und Amnesty Norway. Derzeit ist sie freie Autorin und Kolumnistin, u.a. schreibt sie für
die linke norwegische Zeitung Klassekampen. In ihren Büchern kritisiert sie den neuen Liberalismus
und das kapitalistische System des Westens.

Linn Stalsberg wird am 6. Mai 2026 eine Lesung in Berlin veranstalten. Sie ist offen für weitere Termine in Deutschland in diesem Zeitraum und freut sich über Kontaktaufnahme: info@kommode-verlag.ch
Eine Rezension ihre Buches findet ihr am Ende des Interviews.

Sie beschreiben Krieg als „Verachtung des Lebens“ – nicht nur als politisches Instrument, sondern als gesellschaftliches Phänomen. Welche strukturellen Mechanismen halten Sie für die wichtigsten, um Krieg als „normalen“ Teil der Politik zu reproduzieren, und wie können Friedensbewegungen daran arbeiten, diese zu beseitigen?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir verstehen, wie etwas in einer Gesellschaft als „gesunder Menschenverstand“ etabliert wird, und das bedeutet, dass wir zunächst zwischen einer Erzählung und einer Geschichte unterscheiden müssen. Eine Erzählung ist der übergeordnete Rahmen, in dem alle anderen Geschichten stattfinden. Der übergeordnete Rahmen unserer Zeit lautet beispielsweise: Wir müssen einfach aufrüsten! Mit anderen Worten: eine militaristische Ideologie, die die Militarisierung unserer Gesellschaft zulässt. Innerhalb dieses Rahmens gibt es viele Geschichten: Wie stark sollen wir uns wiederbewaffnen? Was sollen wir zuerst wiederbewaffnen? In welche Waffen sollen wir investieren? Auf diese Weise glauben wir, dass wir gesunde demokratische Debatten über Krieg und Frieden führen – aber das tun wir nicht. Nur sehr wenige Menschen stellen die Erzählung selbst in Frage: Müssen wir uns wirklich wiederbewaffnen?

Diejenigen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt über das verfügen, was in einer Gesellschaft als gesunder Menschenverstand gilt, üben enorme Macht aus, und derzeit konzentrieren sich diese Macht und das Geld in den meisten Ländern und in der Weltpolitik auf alles, was mit dem Militär zu tun hat. Die Logik des Krieges ist zur vorherrschenden Logik unserer Zeit geworden. (…)

Frieden, Diplomatie, Pazifismus, Kriegsdienstverweigerung, Gewaltlosigkeit, Antimilitarismus und andere Formen der Antikriegsarbeit werden als unvernünftig und im schlimmsten Fall als illoyal oder gefährlich dargestellt. (…)

Es liegt eine große Macht darin, uns als Bürger glauben zu machen, dass das, was eigentlich Kultur ist, Natur ist (…). Wir ärgern uns nicht über ein Erdbeben, denn es ist Natur. Wenn uns beigebracht wird, dass „es schon immer Krieg gegeben hat, Gewalt ist natürlich“, dann rebellieren die Bürger nicht.

Aber Krieg ist keine Naturkatastrophe. Krieg ist eine kulturelle Katastrophe. Die gute Nachricht ist daher, dass Krieg etwas ist, das wir vollständig beseitigen können.

In Ihrer Analyse heben Sie Gewaltlosigkeit und Pazifismus als zentrale Instrumente der Friedensarbeit hervor. Wie würden Sie Pazifismus im 21. Jahrhundert definieren, und wo sehen Sie Bereiche des Verständnisses oder Missverständnisses in der aktuellen Debatte? Wie sieht für Sie ein moderner, gesellschaftlich resonanter Pazifismus aus?

Wir müssen zunächst einmal die Begriffe neu definieren. Pazifismus und gewaltfreier Aktivismus werden oft miteinander verwechselt, als wären sie ein und dasselbe. In einigen Fällen kann dies auch zutreffen, da es natürlich viele Pazifisten gibt, die sich für gewaltfreien Aktivismus und aktiven Antimilitarismus engagieren und auch Kriegsdienstverweigerer sind. Aber die Realität ist komplizierter. Nicht einmal alle Pazifisten sind immer einer Meinung (…).

Die jungen Menschen von heute sind mit diesen Konzepten nicht mehr vertraut und wissen daher auch nichts über die vielen wichtigen Kämpfe, die durch Gewaltlosigkeit gewonnen wurden. Sie kennen weder die Methoden noch die vielen Helden der Geschichte, die fest in dieser Tradition standen, und sie sind auch nicht mit den intellektuellen Debatten, Dilemmata und Wissensbeständen vertraut, die damit verbunden sind. Das Ziel muss sein, dass man sich, wenn man sich für Gewaltlosigkeit und/oder pazifistische Methoden entscheidet, nicht zu einem Teil der Gesellschaft machen will, gegen die man überhaupt erst kämpft. Sich mit dem Recht auf Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen vertraut zu machen, kann für viele ein Ausgangspunkt sein.

Das häufigste Missverständnis ist, dass Pazifismus bedeutet, die weiße Flagge zu hissen und feige davonzulaufen und sich zu verstecken. Pazifismus war jedoch schon immer eine aktive Haltung, denn wer sich dafür entscheidet, stellt ein ganzes System eines militaristischen Nationalstaates in Frage.

Sie betonen, dass wir in einer Zeit zunehmender Militarisierung leben. Wie ist die aktuelle Situation in Norwegen? Was sind aus Ihrer Sicht die wirksamsten Strategien für Friedensbewegungen, um Militarisierung sozial und politisch herauszufordern – über bloße Appelle oder symbolische Erklärungen hinaus?

In Norwegen herrscht dieselbe Stimmung wie in den meisten anderen europäischen Ländern. Das Storting hat einstimmig eine parteiübergreifende Vereinbarung über die Aufrüstung in den nächsten zwölf Jahren getroffen, deren Kosten sich auf unglaubliche 139 Milliarden Euro belaufen. Eine Art Nebel des Krieges hängt sowohl über dem Parlament als auch über der öffentlichen Debatte. Dies hängt zum Teil mit dem zuvor erwähnten Narrativ zusammen. Die verwendete Sprache ist oft „hart” und „macho”, sei es bei der Beschreibung von Bedrohungsszenarien, bei Gesprächen über Waffen und Krieg oder bei der Erörterung der globalen Lage. Forderungen, das Tempo zu drosseln, über Diplomatie oder Abrüstung zu sprechen, finden wenig Gehör.

Ein allgemeines Problem besteht darin, dass Friedensarbeit meist auf freiwilliger Basis geleistet wird – es handelt sich um unbezahlte Arbeit, die Menschen neben ihren Vollzeitjobs verrichten –, was in Zeiten steigender Zinsen, hoher Preise und für viele Menschen stark steigender Lebenshaltungskosten eine enorme Belastung darstellt (…).

Wie sehen Sie die Rolle Ihres Essays nicht nur als eines analytischen Textes, sondern auch als eines Instruments zur Mobilisierung und politischen Bildung innerhalb der Friedensbewegung, beispielsweise für Gruppen wie die DFG-VK?

Eines der Ziele des Buches ist es, dem Leser durch Wissen Selbstvertrauen zu vermitteln – ihm bewusst zu machen, dass Pazifismus, Gewaltlosigkeit, Kriegsdienstverweigerung, Antimilitarismus und andere Formen der Friedensarbeit würdige Standpunkte sind, die auf einer jahrtausendealten Tradition beruhen und von Tausenden von Büchern und Denkern geprägt wurden, auf deren Schultern wir stehen. Diese Traditionen sind einfach aus unserem kollektiven Gedächtnis verschwunden, in einer Gegenwart, die in den militärisch-industriellen Komplex verstrickt ist und sich zu der Überzeugung verleiten lässt, dass die einfachste Lösung eine Waffe ist. Auf diese Weise wird das Buch selbst zu einem Werkzeug.

Zum Schluss: Wie sieht Ihre Vision einer Welt ohne Krieg konkret aus – nicht nur als Ideal, sondern als realistische Perspektive? Und was können wir heute tun, um diesem Ziel näherzukommen?

Wenn wir wieder aufrüsten wollen, könnten wir damit beginnen, die Vereinten Nationen wieder aufzurüsten. Trotz all ihrer Mängel und Unzulänglichkeiten sind sie immer noch eines der besten Dinge, die die Menschheit je geschaffen hat, und wir müssen dieses Juwel pflegen. Wir müssen anfangen, ehrlich miteinander und in der Öffentlichkeit zu sprechen. Zum Beispiel über die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten, mit oder ohne Trump, mit ihrem völlig wahnsinnigen Militärbudget und 40 Prozent der weltweiten Militärressourcen, eine Gefahr für uns alle und für niemanden eine Sicherheit darstellen – nicht einmal für die Amerikaner, wie wir derzeit sehen, wo die ICE ihre eigenen Bürger verfolgt.

Wir müssen uns bewusst machen, dass es die Steuergelder der einfachen Menschen sind, die direkt in die derzeitige Aufrüstung fließen, und dass es die einfachen Menschen – vorzugsweise aus der Arbeiterklasse und den unteren Schichten – sind, die im Kriegsfall in die Schützengräben geschickt werden, um zu töten und zu sterben. Wir müssen uns organisieren, denn das Leben ist kostbar und dieser Planet ist der einzige, den wir haben.

REZENSION von Cornelia Mannewitz

Linn Stalsberg: Krieg ist Verachtung des Lebens

„Ein Buch zum Luftholen“ titelt der SWR. In der Tat, man atmet freier, wenn man inmitten der täglichen Kriegsnachrichten und Aufrufen zur Vorbereitung auf den „Ernstfall“ dieses Buch liest.

Die Autorin ist Norwegerin, Jahrgang 1971, Journalistin und Soziologin. Die Journalistin erkennt man an ihrer lebendigen Schreibe, die Soziologin an der Beweiskraft ihres Materials. Gleichzeitig ist das Buch sehr persönlich: „Es ist die Folge meiner eigenen Besorgnis und Angst in einer Zeit, in der sich die Staaten der Welt bis an die Zähne bewaffnen. Mein Ziel ist, zu zeigen, dass es andere Wege gibt, Konflikten zu begegnen, als mit Krieg und Waffengewalt“ (S. 20). Dafür unternimmt Linn Stalsberg nichts weniger als eine friedenspolitische Reise von den ersten dokumentierten Kriegsdienstverweigerern in Ägypten vor 4000 Jahren über geistige Strömungen und politische Umbrüche der Jahrhunderte bis in unsere Tage. Aber keine Angst vor nicht zu bewältigenden Bleiwüsten! Das Buch ist handlich, hebt Schlüsselmomente hervor, fasst zusammen und Begriffe ins Auge, die auch für uns sehr wichtig sind – etwa „Gewaltlosigkeit“, „Gewissen“. Wir sehen Erasmus von Rotterdam und Martin Luther einander gegenüberstehen – Letzteren mit der Aussage, Pazifismus sei naiv und Krieg so notwendig wie Essen und Trinken. Victor Hugo stellte sich ein zukünftiges pazifistisches Europa vor. Das Verhältnis zwischen Patriotismus und Nationalismus wird behandelt, ebenso wie Zusammenhänge, die auch uns klar sind, die wir aber noch viel zu selten bearbeiten: Friedensbewegung und Frauenbewegung, Krieg und Klima.    

Linn Stalsberg weist auf internationale Friedenskongresse hin, von denen im 19. Jahrhundert mehrere stattfanden. Wir lernen, dass nicht erst mit Bertha von Suttner alles begann *zwinker*, sondern mit dem Aufkommen der bürgerlichen Klasse schon viel früher Menschen sich gegen Kriegspolitik auf den Weg machten und versuchten, sich zu vernetzen – oppositionell, entgegen dem Zeitgeist, so mutig, wie das bald auch wieder von uns verlangt werden wird. So klingen dann auch die Forderungen an Politik und Gesellschaft, die Linn Stalsberg formuliert: Abrüstung, alternative Konfliktlösungen, Pazifismus als Lebensform. Dabei argumentiert sie nicht im luftleeren Raum; handfeste Kapitalismuskritik durchzieht ihr gesamtes Buch. Und doch endet sie mit der Erinnerung an ein Kirchenlied: das norwegische „Deilig er jorden“ („Schön ist die Erde“). Und führt uns die Lebens- und Leidensgeschichte seines Dichters in den europäischen Kriegen der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor Augen, aus der sich ergibt, dass es ursprünglich ein Friedenslied war. Sein Titel allein ist ein Aufruf zum Genau-Hinsehen und Tätig-Werden; denn schön ist die Erde nur im Frieden.

Letztlich lohnt sich auch ein Blick ins Literaturverzeichnis: Neben deutschen und englischen Texten findet man dort auch viele norwegische, noch mehr in den Fußnoten. So oft hat man mit norwegischer Literatur ja nicht zu tun. Sie spiegelt sich natürlich auch im Buch wider.

Linn Stalsberg spannt einen weiten Bogen, belässt es aber nicht bei der Darstellung. Sie gibt auch nicht nur Deklarationen von sich. Sie informiert, beweist und aktiviert. Für sie ist sicher, dass wir etwas erreichen können, wenn wir uns entschlossen für den Frieden einsetzen. Kriegsdienstverweiger*innen werden dieses Buch mit besonderem Gewinn lesen.

Luftholen zum Durchatmen, aber auch zum Anlauf-Nehmen: Bei beidem hilft dieses Buch.

Linn Stalsberg: Krieg ist Verachtung des Lebens. Ein Essay über den Frieden. Kommode-Verlag, Zürich 2025. 312 S., 24 €. ISBN 978-3-905574-63-0.

*ENGLISH VERSION*

You describe war as a “contempt for life” — not merely as a political instrument, but as a societal phenomenon. Which structural mechanisms do you consider most important in reproducing war as a “normal” part of politics, and how can peace movements work to uproot them?

To answer this, we have to understand how something becomes established as “common sense” in a society, and that means we must begin by distinguishing between a narrative and a story. A narrative is the overarching framework within which all the other stories take place. For example, the overarching framework of our time is: We simply have to rearm! In other words, a militaristic ideology that permits the militarization of our society. Within this framework there are many stories: How much should we rearm? What should we rearm first? Which weapons should we invest in? In this way, we believe we are having healthy democratic debates about war and peace—but we are not. Very few people challenge the narrative itself: Do we really have to rearm?

Those who at any given time manage what counts as common sense in a society wield enormous power, and right now that power and the money are concentrated in everything military, in most countries and in global politics. The logic of war has become the dominant logic of our time.

We know the concept of hegemony from the Italian socialist Antonio Gramsci, who was imprisoned under Mussolini in the 1930s. He appears in my book, because if we understand him, we find the answer to your question. Gramsci described how an elite can gain cultural and ideological power not through violence and coercion, but by shaping what most people perceive as common sense—what is considered “realistic,” what simply is. When a worldview establishes hegemony, alternatives come to seem unrealistic, naïve, or utopian. This means that alternatives to the logic of war are not received as worthy countervoices in public debate, but rather as oddities measured against what is considered rational.

Peace, diplomacy, pacifism, conscientious objection, nonviolence, antimilitarism, and other forms of anti-war work are portrayed as unreasonable, and at worst as disloyal or dangerous. Gramsci sought to understand how certain ideas in a society establish themselves as reason, so that some discussions are not between equal opinions clashing with one another. Instead, one side manages what is regarded as so rational and ordinary that the other side is thereby cast as the naïve clown in the debate.

Part of the project of my book is to help the reader find confidence and calm in recognizing that this other position is safe, dignified, and has its intellectual traditions, its histories, its victories, losses, and dilemmas.

There is great power in getting us, as citizens, to believe that what is actually culture is nature—something Gramsci also wrote about. That is how elites preserve their power. We do not get angry at an earthquake; it is nature. If we are taught that “there has always been war, violence is natural,” then citizens do not rebel.

But war is not a natural disaster. War is a cultural disaster. The good news, therefore, is that war is something we can eliminate entirely.

In your analysis, you highlight nonviolence and pacifism as central tools of peace work. How would you define pacifism in the 21st century, and where do you see areas of understanding or misunderstanding in the current debate? What does a modern, socially resonant pacifism look like to you?

We must begin by reacquainting ourselves with the concepts. Pacifism and nonviolent activism are often conflated, as if they were one and the same. In some cases they can be, since there are of course many pacifists who engage in nonviolent activism, active antimilitarism, and who are also conscientious objectors. But the reality is more complicated than that. Not even one pacifist always agrees with another pacifist.

There are pacifists who would not use weapons themselves for personal reasons, but who may still support a military institution in other ways—for example financially or as medical personnel. Then there are other pacifists who consider this position insufficiently principled. There are pacifists who wish to withdraw from all forms of action where violence might arise, but there are also those who are willing to stand on the front lines or otherwise sacrifice their lives for a cause, without themselves using violence.

There are nonviolent activists who do not consider themselves pacifists, either because they believe pacifism is too passive a stance to take, or because they believe that certain forms of violence—for example sabotage—can in some cases be legitimate. Then there are nonviolent activists who believe that all violence is unacceptable, including sabotage that destroys infrastructure, buildings, or nature. It is important to remember that pacifists are realpolitik actors like everyone else, meaning that situations can arise in which there are no other options than to use violence. This does not mean, however, that the ideals disappear, or that the idea of resolving conflicts through nonviolence and the goal of a pacifist future without violence cease to exist.

Young people today are no longer familiar with these concepts, and therefore also do not know about the many important struggles that have been won through nonviolence. They do not know the methods, they are unaware of the many heroes in history who stood firmly in this tradition, and they are also unfamiliar with the intellectual debates, dilemmas, and bodies of knowledge that surround it. The goal must be that, when choosing nonviolence and/or pacifist methods, one does not wish to become part of the very society one is fighting against in the first place. Becoming familiar with the right to conscientious objection may be a starting point for many.

The most common misunderstanding is that pacifism is waving a white flag and run away hiding, cowardly. But pacifism has always been an active position to undertake, by choosing this you challenge an whole system of a militaristic national state.

You emphasize that we are living in a time of increasing militarization. What is the current situation in Norway? From your perspective, what are the most effective strategies for peace movements to challenge militarization socially and politically — beyond mere appeals or symbolic statements?

In Norway, the mood is the same as in most other European countries. A unified Storting has entered into a cross-party agreement on rearmament over the next twelve years, for staggering sums—€139 billion. A kind of fog of war hangs over both parliament and the public debate. This is partly about the narrative I mentioned earlier. The language used is often “tough” and “macho,” whether in describing threat scenarios, talking about weapons and war, or discussing the global situation. Calls to slow things down, to talk about diplomacy or disarmament, have little traction.

But positive things are happening: more and more people seem to be alarmed by the very idea of rearmament itself, both out of concern for climate and the environment and for welfare. Just recently, trade unions have finally begun to speak up on this issue and are asking for lectures on militarism. I’ve been waiting for this for two years, and I’m relieved. It is within trade unions that ordinary people truly have the power to change things.

A general problem is that peace work is mostly carried out on a voluntary basis—it is unpaid labor people do alongside other full-time jobs—and this is extremely demanding at a time of rising interest rates, high prices, and soaring living costs for many. I have become very focused on money. Peace work is real work: it requires time to engage deeply with analysis, as well as practical efforts in organizing, research, and advocacy. Quite simply, we need to develop models that allow some people to work full-time on this, and thereby gain power and influence.

How do you see the role of your essay not only as an analytical text, but also as a tool for mobilization and political education within the peace movement, for example for groups like the DFG-VK?

One of the aims of the book is to give the reader confidence through knowledge—to know that pacifism, nonviolence, conscientious objection, antimilitarism, and other forms of peace work are dignified positions to stand in, with thousands of years of practice and thousands of books and thinkers whose shoulders we stand on. These traditions have simply slipped out of our collective memory in a present that is entangled in the military-industrial complex and has allowed itself to be led to believe that the simplest solution is a gun. In this way, the book itself becomes a tool.

You have said that your book aims to build bridges between different debates. Which bridges do you consider most important — for example between pacifism and feminism, or between antimilitarism and climate justice — and how can initiatives make practical use of these connections?

My political background comes from the social movements of the early 2000s, when groups across different movements demonstrated together against the World Bank’s structural adjustment programs, economic inequality, unjust trade agreements, and discrimination and racism within and between countries. This culminated in the world’s largest anti-war demonstration in 2003 against the U.S. attack on Iraq. After that defeat, however, some of the momentum drained from a weary movement that had lost on many fronts and then went straight into a financial crisis shortly afterward.

But the lesson remains that different movements must come together and understand that most people, across borders, have far more in common. We simply want to live ordinary lives with food on the table, healthcare, security, and freedom—and that the enemy is not other people like us, but the richest and most powerful among us, as well as the capitalist system that demands endless growth from multinational corporations and nations, competition with one another, and, as a consequence, the destruction of climate and nature.

 Finally: What does your vision of a world without war actually look like — not only as an ideal, but as a realistic perspective? And what can we do today to move closer to it?

If we are going to rearm, we could start by rearming the United Nations. With all its flaws and shortcomings, it is still one of the finest things humanity has ever created, and we must take care of this jewel. We need to start speaking truthfully about things—to one another and in public. Such as the fact that the United States, with or without Trump, with its utterly insane military budget and 40 percent of the world’s military resources, is a danger to us all and security for no one—not even for Americans, as we are now seeing, with ICE pursuing its own people.

We also cannot boast about “our values” while a genocide is unfolding in Gaza, actively supported by our countries and our allies, or when demonstrators in our own streets—where we pride ourselves on freedom of expression—are violently cracked down on and arrested. We must demand debates and large conferences on multilateral disarmament now. We must work much harder to ban nuclear weapons in all countries; the mere fact that they exist, and that we have become accustomed to this, is a complete crisis.

We need to understand that it is ordinary people’s tax money that is going straight into the rearmament now taking place, and that it is ordinary people—preferably from the working and lower classes—who will be sent into the trenches to kill and die if war comes. We must organize ourselves, because life is precious and this planet is the only one we have.

Kategorie: Allgemein

19. März 2026

Der Neue Wehrdienst von Pistorius

Die Kriegsdienstverweigerung gewinnt an Bedeutung

Als zum 1. Juli 2011 der damalige Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) die Wehrpflicht aussetzte, tat er das aus zwei Gründen:

  1. die Wehrpflicht war zu teuer und
  2. die Wehrgerechtigkeit war nicht mehr gegeben.

Jeder anerkannte Kriegsdienstverweigerer wurde zum Zivildienst einberufen. Das Verteidigungsministerium verzichtete auf die Einberufung vieler Wehrpflichtiger (unter anderem aller T3-gemusterten). Diese administrativen Wehrdienstausnahmen erklärte das Bundesverwaltungsgericht schon 2005 für rechtswidrig. Die Einberufungspraxis müsse sich streng an den im Wehrpflichtgesetz geregelten Eignungskriterien und Wehrpflichtausnahmen orientieren. Dieses Urteil setzt klare Grenzen.

Die Geldfrage spielt aktuell keine Rolle, dafür jedoch das Thema Wehrgerechtigkeit. Die Bundesregierung hat die Schuldenbremse aufgehoben und stellt der Bundeswehr nahezu unbegrenzt Geld für Rüstungsausgaben zur Verfügung. Was der Bundeswehr fehlt, ist Personal, das sie für geeignet hält. Trotz massiver Werbung und allerlei Lockmitteln steigt die Zahl der Soldatinnen und Soldaten nicht wie gewünscht.

Das soll sich mit dem Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WDModG) ändern, das am 1.1.2026 in Kraft getreten ist. Verteidigungsminister Pistorius setzt weiterhin auf Freiwilligkeit mit eingebauten Zwangselementen und will damit mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Er will einsatzbereite, kaltstartfähige und durchhaltefähige Einheiten, Verbände und Großverbände. Die Zielgröße beträgt 260 000 aktive Soldatinnen und Soldaten, aktuell sind es knapp 185 000. Hinzu kommen zurzeit 70 000 Planstellen für Reservist*innen, von denen etwa 50 000 besetzt sind. Ziel ist, eine strukturgebundene Reserve von 200 000 Dienstposten zu besetzen. Im Falle der Landes- und Bündnisverteidigung beträgt die angestrebte Kriegsstärke 460 000 Soldatinnen und Soldaten.

Mit dem Wehrdienst-Modernisierungsgesetz sind mehrere Zielsetzungen verbunden:

1. ein verbessertes Lagebild über den Personalumfang der Wehrpflichtigen

2. die Gewinnung von deutlich mehr Freiwilligen

3. Finden sich nicht genug Freiwillige, kann mit einem Gesetzesbeschluss eine sogenannte Bedarfswehrpflicht greifen. Sie wird jedoch nicht automatisch aktiviert. Darüber muss der Bundestag mit einem Gesetz entscheiden. Dann wird das Thema Wehrgerechtigkeit aktuell.

4. die Gewinnung von deutlich mehr beorderten Reservist*innen

Die Wehrpflicht wird wieder gültig im Spannungs- und Verteidigungsfall. Dazu muss der Bundestag mit ⅔-Mehrheit einen entsprechenden Beschluss fassen. Den Verteidigungsfall stellt der Bundestag nach Artikel 115a auf Antrag der Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrats mit ⅔-Mehrheit fest.

Der Neue Wehrdienst basiert zunächst auf Freiwilligkeit, enthält aber auch Pflichtelemente. Männer, Frauen und Personen mit anderem Geschlecht werden ab dem Geburtsjahrgang 2008 von der Bundeswehr angeschrieben. Männer müssen die verpflichtende Bereitschaftserklärung mittels Fragebogen ausfüllen und zurückschicken. Frauen und Personen mit anderem Geschlecht können sich auf freiwilliger Basis für den neuen Wehrdienst bewerben. Die Musterung wird verpflichtend für alle ab dem 1.1.2008 geborenen Männer wieder eingeführt und soll ab dem 1. Juli 2027 flächendeckend in den Karrierecentern und neu aufzubauenden Musterungszentren der Bundeswehr stattfinden.

Damit will Pistorius bis zu 40 000 junge Männer jährlich für einen Freiwilligen Wehrdienst von 6 – 12 Monaten gewinnen. Schmackhaft gemacht wird der neue Dienst mit attraktiven Maßnahmen:

– Es bleibt zunächst dabei, einen freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr zu leisten. Mindestdauer: 6 Monate, Verlängerung im Umfang von bis zu 5 Monaten. Die ersten 6 Monate gelten als Probezeit, innerhalb derer man ausscheiden kann.

– Der*die bis zu 11 Monaten Freiwilligen Wehrdienst Leistende erhält 2600 Euro brutto monatlich.

– Einen Zuschuss zum Erwerb einer Fahrerlaubnis der Klasse B (PKW) bei einer Dienstdauer

  von mindestens 12 Monaten. Der Zuschuss beträgt bis zu 3500 Euro.

– einen Zuschuss zum Erwerb einer Fahrerlaubnis C oder C 1 (LKW) von bis zu 5000 Euro

– Freie Fahrt in Uniform mit der Deutschen Bahn

– Soldaten mit einer Restdienstzeit von mindestens 12 Monaten werden in ein

  Dienstverhältnis eines Soldaten auf Zeit (SaZ 1) übernommen.

Bis 2035 ist der Aufwuchs der Streitkräfte auf 460 000 Soldatinnen und Soldaten, davon bis zu 260 000 aktive Soldatinnen und Soldaten und mindestens 200 000 Reservistinnen und Reservisten, zur Erfüllung der NATO-Fähigkeitsziele vorgesehen. Dem liegt folgender Aufwuchspfad zugrunde:

Jahraktive Soldatinnen und SoldatenReservistinnen und Reservisten
2026186 000 – 190 00070 000 – 80 000
2027190 000 – 193 00080 000 – 100 000
2028193 000 – 198 000100 000 – 120 000
2029198 000 – 205 000120 000 – 140 000
2030204 000 – 212 000140 000 – 160 000
2031210 000 – 220 000160 000 – 180 000
2032218 000 – 230 000180 000 – 200 000
2033228 000 – 242 000mindestens 200 000
2034240 000 – 256 000mindestens 200 000
2035255 000 – 270 000mindestens 200 000  

Das Bundesministerium der Verteidigung berichtet dem Deutschen Bundestag halbjährlich,

beginnend ab dem 1. Januar 2027, über die Entwicklung des Aufwuchses.

Bereitschaftserklärung von Ungedienten

Das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr darf zum Zweck der Wehrerfassung im automatisierten Abrufverfahren nach den §§ 34a und 38 des Bundesmeldegesetzes Daten Wehrpflichtiger abrufen. Der bisher mögliche Widerspruch gegen die Datenweitergabe an die Bundeswehr wurde mit dem neuen Gesetz gestrichen.

Beginnend mit dem Geburtsjahrgang 2008 werden alle jungen Männer zwangserfasst, ebenso die Frauen eines Jahrgangs, durch die Hintertür. Frühere Jahrgänge können zudem auf der Grundlage von § 15 Absatz 1 Wehrpflichtgesetz (WPflG) erfasst werden, sodass auf die Daten derjenigen Wehrpflichtigen, die vor 2008 geboren wurden, zurückgegriffen werden kann.

Ab Januar 2026 erhalten 650 000 Männer und Frauen des Geburtsjahrganges 2008, pro Monat 54 000 Personen, ein Schreiben von der Bundeswehr. Das Anschreiben enthält einen QR-Code, der über einen Onlinelink zu einem Fragebogen führt. Den Fragebogen erhalten deutsche Personen mit Wohnsitz in Deutschland. Mit dem Fragebogen soll die Bereitschaft zum freiwilligen Wehrdienst abgefragt werden. Männer müssen den Fragebogen ausfüllen, Frauen und Personen anderen Geschlechts können dies tun.

Mit der Bereitschaftserklärung sind folgende Angaben abzugeben:

1. persönliche Daten: Angaben zur Person, zum Geschlecht, zum Familienstand und zu weiteren Staatsangehörigkeiten

2. Bildungsabschlüsse: Schule, Berufsausbildung, Fahrerlaubnis, Sprachen

3. Körpergröße und Körpergewicht

4. Fitnesslevel

5. Schwerbehinderung

6. weiterer Wehrdienst (für welchen Staat)

7. Sind Sie bereits Soldatin oder Soldat?

8. Interesse am Wehrdienst soll auf einer Skala von null bis zehn angegeben werden. Wichtig: Wer die „Null“ angibt, für den wäre der Fragebogen an dieser Stelle beendet und müsste nur noch abgeschickt werden. Vor dem Abschicken online speichern bzw. schriftlich kopieren und aufheben. Wer „Eins“ oder mehr angibt, hat Interesse an der Bundeswehr und wird nach der

    – Dauer im freiwilligen Wehrdienst

    – dem Einsatzbereich (Heer, Luftwaffe, Marine, Cyber- und Informationsraum)

    – dem gewünschten Beginn des Dienstes gefragt und kommt ins Auswahlverfahren.

  9. Datenschutzhinweise

10. Zudem wird das Interesse an einem freiwilligen sozialen Jahr, freiwilligen ökologischen Jahr und dem Bundesfreiwilligendienst abgefragt.

Der Fragebogen soll online ausgefüllt oder bei fehlenden technischen Voraussetzungen schriftlich abgegeben werden. Das erste Schreiben der Bundeswehr kann man ignorieren. Dann erhält man von der Bundeswehr nach vier Wochen eine Erinnerung per Postzustellungsurkunde. Wird die Bereitschaftserklärung nicht, falsch oder unvollständig zurückgeschickt, stellt das eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld in unbekannter Höhe geahndet werden kann. Wer diesen Weg gehen will, sollte dies nicht alleine, sondern in einer Gruppe machen und sich einen Unterstützerkreis suchen. Beim Ausfüllen nur die mit dem roten Sternchen markierten Pflichtfragen beantworten.

Der Fragebogen zur Wehrerfassung hat mit der Kriegsdienstverweigerung nichts zu tun. Wer für den Staat weder kämpfen noch töten oder sterben möchte, sollte jetzt einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen.

Musterung

Die Musterung von jungen Männern wird mit dem neuen Gesetz wieder eingeführt und soll ab dem 1. Juli 2027 verpflichtend werden, sofern bis dahin die Musterungskapazitäten aufgebaut sind. Gemustert werden soll dann in 8 bestehenden Karrierecentern und 24 neuen Musterungszentren in Großstädten. Entgegen § 2 Absatz 6 Satz 2 des Kriegsdienstverweigerungsgesetzes kann die Zuleitung des Antrags auf Kriegsdienstverweigerung bei ungedienten Wehrpflichtigen, die vor dem

1. Januar 2010 geboren sind, ohne vorherige Musterung erfolgen (§ 13 Kriegsdienstverweigerungsgesetz).

Da der Bundeswehr die Musterungskapazitäten fehlen, werden die Musterungen vorübergehend ausgesetzt Das gilt für ungediente Wehrpflichtige, die von dem 1.1.2010 geboren sind (Schreiben des Karrierecenters Stuttgart vom 21.1.2026). Eine bundesweit einheitliche Linie ist zum Erstellungszeitpunkt des Artikels noch nicht erkennbar.

DFG-VK ruft zur Kriegsdienstverweigerung auf

Mit dem Bekanntwerden der Pläne von Pistorius sind die Anfragen zur Kriegsdienstverweigerung sprunghaft gestiegen. Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung hat sich von 2024 auf 2025 mehr als verdoppelt, von 2998 auf 7691 Anträge, darunter 1500 von Reservisten. Viele junge Menschen wollen jetzt mit ihrer vorsorglichen Kriegsdienstverweigerung ein politisches Zeichen setzen, obwohl sie zurzeit nicht eingezogen werden. Sie zeigen damit auf, dass sie nicht bereit sind, als Soldat im Krieg Menschen zu töten oder selbst getötet zu werden.

Die DFG-VK ruft zur proaktiven Kriegsdienstverweigerung auf und unterstützt mit ihrem Netz an Beraterinnen und Beratern die jungen Männer bei der KDV-Antragstellung. Wir geben auch Tipps, wie man mit der Bereitschaftserklärung (dem Fragebogen) umgehen kann.

Wer kann einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen?

Der Antrag auf Kriegsdienstverweigerung muss von Zivilisten, Reservistinnen und Reservisten sowie Soldatinnen und Soldaten ab dem 1.1.2026 gemeinsam mit den Unterlagen (Lebenslauf, Begründung und Kopie des Personalausweises – Vorder- und Rückseite – an das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, Militärringstraße 1000, 50737 Köln geschickt werden, per Einschreiben mit Rückschein.

Über den KDV-Antrag entscheidet weiterhin das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) in Köln im schriftlichen Verfahren. Über Anträge, die ohne vorherige Musterung dem Bundesamt zugeleitet werden, soll spätestens innerhalb von neun Monaten seit Eingang beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr entschieden werden.

Einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung können Wehrpflichtige von 17 ½ bis 60 Jahren stellen. Rechtsgrundlage für die Kriegsdienstverweigerung ist Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz“ (das Kriegsdienstverweigerungsgesetz – KDVG – ).

Die größte Personengruppe der Kriegsdienstverweigerer sind die Ungedienten, gefolgt von den Reservist*innen. Nur wenige Hundert Soldat*innen verweigern den Dienst. Für alle Personengruppen gleich sind die Unterlagen, die eingereicht werden müssen:

1. Antrag auf Kriegsdienstverweigerung unter Berufung auf Art. 4 Abs. 3 GG

2. vollständiger tabellarischer Lebenslauf

3. ausführliche schriftliche Darlegung der Beweggründe

Das Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr prüft die Unterlagen auf Vollständigkeit und leitet sie an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) weiter, das über den Antrag im schriftlichen Verfahren entscheidet. Wird der Antrag abgelehnt, kann man dagegen Widerspruch einlegen. Wird auch der Widerspruch abgelehnt, kann man vor dem zuständigen Verwaltungsgericht klagen.

Wer sich rechtzeitig informiert, Begründung und Lebenslauf mit einer unserer Beratungsstellen bespricht und alle Fristen einhält, wird als Kriegsdienstverweigerer anerkannt. Wir warnen davor, Inhalte aus dem Internet oder KI-generierte Schreiben zu übernehmen. Die werden von den Schreibprogrammen beim BAFzA erkannt und als unzulässig abgelehnt.

Die DFG-VK hat auf Bundes-, Landes und Ortsebene ihr Beratungsnetz ausgebaut und bildet in Berater*innen-Schulungen weiter Leute aus, die vor Ort oder in der Region jungen Menschen bei der Kriegsdienstverweigerung helfen. Alle Infos dazu gibt es auf der Homepage www.verweigern.info.

Im DFG-VK-Shop kann man die neuen Flyer für Ungediente/Zivilisten und Reservist*innen sowie weiteres Material zur KDV bestellen.

Bewertung

Pistorius will Deutschland „kriegstüchtig“ machen. Das bedeutet massive materielle, personelle und ideologische Aufrüstung. Die Wehrpflicht, die man besser Kriegsdienstzwang nennen sollte, ist dafür ein wichtiges Mittel. Personell geht es um Masse, nach dem Motto „je mehr Soldaten, desto mächtiger die Armee“. In der Sprache der Militärs geht es um „Aufwuchs- und Durchhaltefähigkeit“  – in Klartext übersetzt, heißt das: Der Großteil der Soldaten, und das werden die durch die Wehrpflicht gezwungenen sein, ist reines Kanonenfutter. Schließlich rechnet die NATO in einem von ihr beschworenen Krieg gegen Russland mit täglich 5000 toten Soldaten auf der eigenen Seite. Die materielle Aufrüstung verschlingt riesige Milliardensummen mit der Folge „Kanonen statt Butter“. Durch Erfassung und Musterung werden künftig alle jungen Männer Teil der Kriegsvorbereitung und erhalten die Botschaft: „Ihr seid alle potenzielle Soldaten. Wenn wir wollen, dann holen wir euch!“

Die Zwangserfassung und -musterung ist ein massiver Eingriff in die Persönlichkeits- und Freiheitsrechte des einzelnen Bürgers. Hat Pistorius mit seinem Modell Erfolg und findet genug Freiwillige, bleibt die erzwungene Einberufung zum Grundwehrdienst weiter ausgesetzt. Ob er dafür die passenden Personen findet, bleibt abzuwarten. In den letzten Jahren gab es jährlich mehr als 50 000 Bewerbungen, jedoch nur rund 19 000 Einstellungen. Die Mehrzahl der Bewerber*innen scheiterte bei der Musterung, der Eignungs- und Verwendungsprüfung oder der Sicherheitsüberprüfung. Sie waren also körperlich, geistig und charakterlich nicht für die Bundeswehr verwendbar. Diejenigen, die Pistorius gerne hätte, haben hingegen kein Interesse am Wehr- oder Kriegsdienst und suchen sich gut bezahlte Jobs in der freien Wirtschaft oder ihnen ist ihre Gewissensentscheidung wichtiger als das Geld.

Es ist damit zu rechnen, dass CDU/CSU sowie der Reservistenverband weiter auf die Wiedereinführung der Wehrpflicht drängen werden. Es bleibt daher abzuwarten, ob die SPD standhält. Für die jungen Menschen bleibt die Gefahr, in einem Krieg eingesetzt zu werden, bestehen und sie werden mit der Kriegsdienstverweigerung die politischen Zeichen setzen, dass sie ihre Zukunft nicht in Schützengräben oder als Drohnenpilot sehen. Die Kriegsdienstverweigerung wird an Bedeutung weiter zunehmen.

Die Aufgabe der DFG-VK ist, die drohende Wehrpflicht zu verhindern und dem Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu seiner uneingeschränkten Geltung zu verhelfen. Noch immer ist das unveräußerliche Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung das einzige Grundrecht, das nur nach Antrag, Prüfung und Genehmigung erteilt wird.

Klaus Pfisterer

ist Landesvorsitzender DFG-VK Baden-Württemberg und Koordinator der bundesweiten KDV-AG

Dieser Artikel erschien in der ZivilCourage, Ausgabe 1/2026.

Kategorie: Allgemein

16. März 2026

Die neue ZivilCourage ist da!

In der aktuellen Ausgabe erwarten euch spannende Beiträge zu unseren gemeinsamen Bemühungen gegen den neuen Kriegsdienst. Ein besonderer Fokus liegt auf dem neuen Wehrdienstmodernisierungsgesetz und den Beratungsaktivitäten der DFG-VK.

Hier ein kleiner Einblick in die Themen:

  • 5 Fragen zu Venezuela
  • Dr. Margot Käßmann zur EKD-Friedensdenkschrift
  • Schulstreik gegen die Wehrpflicht
  • Wie der Krieg hierzulande vorbereitet wird
  • Herausnehmbares Poster für deine Beratungsarbeit!

Vergangene Ausgaben findet ihr in unserem Archiv.

Kategorie: Allgemein Stichworte: ZivilCourage

17. Februar 2026

Die Tolstoi-Friedensbibliothek

Was für eine wunderbare Idee, eine Friedensbibliothek mit Werken von und über Tolstoi einzurichten! Unser Mitglied Peter Bürger hat sie zusammen mit Mitstreiter*innen im Internet verwirklicht. 

Wer Lew (Leo) Tolstoi (1828 – 1910) Mitte des 19. Jahrhunderts kennengelernt hätte, hätte wahrscheinlich nichts Besonderes an ihm gefunden. Ein junger russischer Adliger, Graf, einer, der zu der „jeunesse dorée“ zählte, deren Vertreter er in Wronski aus „Anna Karenina“ und mehreren Figuren aus „Krieg und Frieden“ selbst porträtiert hat. Der zum Militär ging, weil es sich so gehörte. Dort allerdings, im Krimkrieg (Segelschiffe aus Holz gegen Dampfschiffe aus Eisen, der erste große Krieg, von dem es Fotos gibt, und Auslöser einer Krise der russischen Monarchie), machte er mit den „Sewastopoler Erzählungen“ zum ersten Mal als Schriftsteller auf sich aufmerksam. Kriegserfahrungen aus dem Kaukasus verarbeitete er in einem seiner letzten Werke, „Hadschi Murat“, hier sehr deutlich auch kritisch gegenüber dem russischen Eroberungskrieg und empathisch gegenüber den Konflikten unter den Angegriffenen und dem Leid der kaukasischen Zivilbevölkerung.  

Bei seinem Gut richtete er mehrmals eine Dorfschule ein. Die Perspektivlosigkeit vieler Kinder der russischen Landbevölkerung, die zum Teil noch in Leibeigenschaft lebte, veranlasste ihn zum Handeln. Er schrieb Lehrbücher für diese Schulen und pädagogische Aufsätze; wie er allgemein zunehmend in publizistischer Form seine Meinung zu Staat, Gesellschaft und Kirche äußerte, nicht, ohne sein eigenes privilegiertes Leben zu hinterfragen – gut nachzuvollziehen in der Tolstoi-Friedensbibliothek.

Noch zu Lebzeiten wurde Tolstoi damit zu einer international anerkannten moralischen Instanz. Um das kurz anzumerken: Thomas Mann, der diesjährige literarische Jubilar, betrachtete Tolstoi als sehr prägend für seine Entwicklung und schrieb mehrmals über ihn. Die Weltgeltung der russischen Literatur beruht auf dem Schaffen vieler hellsichtiger gesellschaftskritischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, aber beileibe nicht zuletzt auf dem Tolstois. Mit seinem Engagement erwarb er sich Bewunderung und – wie man heute sagen würde – Follower, die sich sogar zu Bewegungen zusammenschlossen; siehe die (von Tolstoi selbst mit Misstrauen betrachteten) Tolstoianer.

In dem repressiven Klima des zaristischen Russland bedeutete ein solches Engagement allerdings Diskriminierung und Verfolgung. Nur ein Beispiel: Tolstois Sympathien für die damals gerade frisch entwickelte internationale Sprache Esperanto hätten diese schon auf den ersten Metern fast die Existenz gekostet. Die Zeitschrift „La Esperantisto“ hatte 1895 einen Artikel von Tolstoi veröffentlicht. Daraufhin wurde die Einfuhr der Zeitschrift nach Russland verboten, wodurch 75 Prozent ihrer Abonnent*innen wegbrachen und die Zeitschrift eingestellt werden musste. 1901 exkommunizierte ihn die Kirche; eine Wandmalerei in der Dorfkirche von Tasowo, Gouvernement Kursk, zeigte bereits 1883 „Lew Tolstoi in der Hölle“. Tolstoi ließ sich davon offenbar nicht von seinem Weg abbringen. Noch 1908 erschien seine Schrift „Ich kann nicht schweigen“ gegen die Hinrichtungen politischer Gegner und die Todesstrafe allgemein in Russland. Der Theaterkritiker Alfred Kerr schrieb noch Jahrzehnte später angesichts der Annäherung eines großen deutschen Schriftstellers an die Faschisten: „Der alte Russe rief noch an der Schwelle des Grabes: ‚Ich kann nicht schweigen!‘ – H(…) … konnte.“

Tolstoi starb 1910 während einer Reise, eher einer Flucht, auf einer Bahnstation in der heutigen Oblast Lipezk. Zeitungen in der ganzen Welt brachten ein Foto, auf dem seine Frau in die Fenster des Bahnwärterhäuschens lugte (sie durfte zunächst nicht hinein).     

Tolstoi ist aber nicht tot. Pazifist*innen dürften sich seinem Grundsatz anschließen, dem Bösen nicht mit Gewalt zu widerstehen (Slawist*innen lernen dazu den Ausdruck „neprotiwlenije slu nassilijem“). Anarchist*innen sehen in ihm einen Klassiker libertärer Pädagogik. Und „einfache“ Leser*innen? Sie können es sich zum Beispiel im virtuellen „Lesesaal“ der Friedensbibliothek gemütlich machen. Dort können sie sich belesen zu Themen wie „Patriotismus oder Frieden?“, „Militarismus und Religion“ und natürlich „Ob man den Militärdienst verweigern muss? Ich antworte mit einem kategorischen ‚Ja‘!“. In Zeiten, in denen russische Literatur in öffentlichen Bibliotheken rar ist (wenn sich auch der eine oder andere Klassiker dort noch findet, aber eher nicht mit Werken dieses Profils), ist das kein schlechter Ort. Außerdem sind auf dem Portal Einzelwerke wie Romane und Erzählungen sowie in großer Zahl religions- und gesellschaftskritische Schriften von Tolstoi digital verfügbar. Auch preiswerte Druckausgaben werden angeboten, und wer Literatur über Tolstoi sucht, bekommt wichtige Titel genannt. Immer wieder einmal publiziert die Friedensbibliothek auch Sammelbände; dazu bei anderer Gelegenheit mehr.

Die Friedensbibliothek ist auch noch „work in progress“. Daher gern öfter hier klicken: www.tolstoi-friedensbibliothek.de.

Cornelia Mannewitz ist Slawistin, Mitglied des BundessprecherInnenkreises und aktiv lokal sowie in mehreren Arbeitsgruppen der DFG-VK, unter anderem der AG Antifaschismus.

Dieser Artikel erscheint in der ZivilCourage Ausgabe 4/2025.

Kategorie: Allgemein

22. Januar 2026

5 Fragen an Sean Conner (IPB)

[English version below]

Wie reagiert die IPB auf die zunehmende Militarisierung weltweit – insbesondere angesichts des Krieges in der Ukraine, der Konflikte im Nahen Osten und der zunehmenden Rivalität zwischen den USA und China?

Der weltweit zunehmende Militarismus und die Militarisierung sind einerseits ein Symptom einer Welt im Umbruch und andererseits ein Versagen der Weltpolitiker, Alternativen zum Militarismus zu nutzen und zu priorisieren. Die Realität ist, dass die Ordnung der Nachkriegszeit nicht mehr aufrechterhalten werden kann und die Unsicherheiten – wirtschaftlicher, geopolitischer, sozialer und anderer Art – autoritären und militaristisch orientierten Führern den Aufstieg oder den Verbleib an der Macht ermöglicht haben, während die Welt immer tiefer in Unsicherheit, Konfrontation und Gewalt gestürzt wurde. Es ist ein Wettstreit darum, wie die Zukunft aussehen wird, wer sie gestalten wird und wer davon profitieren wird.

In diesem Zusammenhang hat die IPB die doppelte Aufgabe, sowohl die Ursachen anzugehen als auch auf die unmittelbaren Bedrohungen mit Aufrufen zur Deeskalation zu reagieren. Das ist natürlich ein gewaltiges Unterfangen, und die IPB kann es nicht alleine bewältigen. Jeder Konflikt hat globale, regionale und lokale Faktoren, historische und aktuelle, die die Konfliktlösung erschweren und die Militarisierung vorantreiben. Gleichzeitig ist es viel schwieriger, die aktuellen Ereignisse zu verstehen, wenn wir nicht das Bewusstsein und die Aufmerksamkeit für die größeren geopolitischen Veränderungen schärfen, wie z. B. die globalen Dynamiken und Interventionen in lokale Konflikte, das riesige Netzwerk legaler und illegaler Waffenverkäufe und -handel sowie die potenziellen Risiken einer Eskalation und Ausweitung von Konflikten. Die meisten Staats- und Regierungschefs der Welt sprechen nicht offen über die geopolitischen Veränderungen, obwohl es bei genauerer Betrachtung der Militärdoktrinen und Wiederaufrüstungspläne unserer Politiker offensichtlich wird, dass sie sich dieser Veränderungen bewusst sind. Die breite Öffentlichkeit wird jedoch fast vollständig aus solchen Diskussionen über die Zukunft ausgeschlossen.

Eine zentrale Rolle des IPB in diesem Sinne ist die Aufklärung und Information, sowohl über das, was vor Ort in Konfliktgebieten geschieht, als auch über das Gesamtbild. In Bezug auf Ersteres ist das IPB in einer einzigartigen Position, nicht weil unsere Mitarbeiter besonders gut über Konfliktgebiete Bescheid wissen, sondern weil wir über ein großes und vertrauenswürdiges Netzwerk von Kollegen und Basisaktivisten verfügen, die zuverlässig sind und sich mit der Bewältigung von Konflikten aus einer Friedensperspektive auskennen. Wir haben Kollegen im Sudan und im Osten der Demokratischen Republik Kongo, die uns und unserem Netzwerk geholfen haben, zu verstehen, was wirklich vor Ort geschieht, jenseits der Schlagzeilen, und Gespräche über internationale Solidarität und Unterstützung zu fördern. Wir haben Kollegen unter anderem auf den Philippinen, in Guam, Japan und Südkorea, die vor den zunehmenden militärischen Spannungen und Aggressionen sowohl Chinas als auch der USA warnen. Wir arbeiten eng mit Kriegsdienstverweigerern aus Russland und der Ukraine zusammen, die sich weigern, an Russlands Angriffskrieg teilzunehmen, und ihre Lösungen auf das Völkerrecht stützen. Und wir arbeiten mit palästinensischen und israelischen Organisationen der Zivilgesellschaft zusammen, die sich dafür einsetzen, den Völkermord und den Kreislauf der Gewalt zu beenden und langfristig Versöhnung und Gerechtigkeit zu fördern. In allen Fällen ist es für uns wichtig, uns auf unsere gemeinsame Menschlichkeit zu konzentrieren und die Menschen von den Regierungen zu trennen, die diese Kriege begonnen haben und fortsetzen.

Das heißt nicht, dass es keine Lücken gibt – und wir müssen anerkennen, dass es in Zeiten aktiver Konflikte für Friedensaktivisten vor Ort viel schwieriger wird, aufgrund der Polarisierung, der Vereinnahmung und des Missbrauchs des Begriffs „Frieden“ durch diejenigen, die militärische Aktionen und Menschenrechtsverletzungen verfolgen, des Drucks, dem solche Aktivisten durch ihre eigenen Kollegen und durch Kräfte, die keinen Frieden wollen, ausgesetzt sind, und so weiter. Deshalb haben wir auch Zeit und Mühe darauf verwendet, bessere Wege zu finden, um die Stimmen für den Frieden in Konfliktgebieten zu schützen und sicherzustellen, dass ihre Stimmen genauso laut, wenn nicht sogar lauter zu hören sind als die der Kriegstreiber.

Gleichzeitig klären wir weiterhin über die globalen Trends zum Militarismus und die Folgen auf, die eine Fortsetzung des Weges der Militarisierung, Konfrontation und Konflikte mit sich bringen wird – darunter eine Einschränkung des demokratischen Raums, Menschenrechtsverletzungen und die Ausweitung und explosive Zunahme von Konflikten in mehr Bereichen, sowohl auf internationaler als auch auf regionaler und lokaler Ebene. Wir skizzieren weiterhin alternative Ansätze, wobei wir die Vergangenheit als Beispiel heranziehen und gleichzeitig nach neuen und frischen Beispielen für die Zukunft suchen. Dazu gehört die Wiederbelebung des Konzepts der gemeinsamen Sicherheit, das während des Höhepunkts der nuklearen Spannungen im Kalten Krieg dazu beigetragen hat, Spannungen abzubauen und Vertrauen aufzubauen, sowie unsere langjährige Arbeit zu den Kosten steigender Militärausgaben, die unseren Gesellschaften dringend benötigte Mittel für soziale Wohlfahrt und internationale Solidarität entziehen, einschließlich der jüngsten Kürzungen der Auslandshilfe in Europa und den USA. Die Fortsetzung des derzeitigen Kurses wird zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, bei der weitere Sozialkürzungen zu einer tieferen Instabilität in unseren Gesellschaften führen und uns weiter in Isolationismus, Nationalismus, Militarismus und Fremdenfeindlichkeit treiben, während gleichzeitig die Konflikte innerhalb einer Gesellschaft – wie wirtschaftliche, soziale und geschlechtsspezifische Ungleichheiten sowie die destabilisierenden Auswirkungen der Klimakrise – verschärft werden.

Daher ist es für die globale Friedensbewegung von entscheidender Bedeutung geworden, andere soziale Bewegungen anzuerkennen und sich mit ihnen zu vernetzen, um sich auszutauschen und das Verständnis für die Zusammenhänge der Krisen, mit denen wir konfrontiert sind, zu vertiefen. Die internationale Friedensbewegung erlebt in vielerlei Hinsicht eine Wiedergeburt, da die Menschen weltweit zunehmend Angst vor der Zukunft des Friedens und des Krieges haben. Aber sie ist noch nicht groß und wirksam genug, um die Vielzahl von Konflikten, Kriegen, Spannungen und Völkermorden anzugehen, mit denen wir als Planet konfrontiert sind. Es ist ein Prozess, der weitergeht und den wir in allen Teilen der Welt fördern und unterstützen müssen. Es war noch nie so wichtig, eine wirklich globale Friedensbewegung zu fördern, und genau das müssen wir auch weiterhin tun.


Welche konkreten Strategien oder Programme fördert die IPB derzeit, um die zivile Konfliktlösung und Diplomatie im Vergleich zu militärischen Ansätzen sichtbarer und wirksamer zu machen?

In gewisser Weise konzentrieren sich alle unsere Programme und Kampagnen auf die Bedeutung und Notwendigkeit von Diplomatie und Konfliktlösung aus verschiedenen Blickwinkeln und Ansätzen – von Bildung und öffentlichen Kampagnen bis hin zu Forschung, Berichten und der Zusammenarbeit mit politischen Führern und multilateralen Institutionen. Eine der zentralen Botschaften des IPB lautet, dass Krieg eine Fortsetzung der Politik mit anderen, inakzeptablen Mitteln ist. Die Kosten des Krieges sind immer höher als die Kosten von Diplomatie und Verhandlungen; Krieg ist Nullsummen-Denken, während Diplomatie alternative und kreative Lösungen fördern kann. Diplomatie und Verhandlungen sind jedoch schwierig, während Krieg insofern „einfach“ ist, als dass Führer durch die Schaffung des „Anderen“, einer unbekannten und gefürchteten Bedrohung, Zustimmung erzeugen können.

Das bedeutet auch, dass wir der Rhetorik der Polarisierung, der Otherisierung und des Militarismus mit Alternativen begegnen müssen. Einerseits haben wir dies getan und tun es weiterhin, indem wir Stimmen für den Frieden über die Grenzen von Konfliktgebieten hinweg und im weiteren Sinne innerhalb unseres globalen Netzwerks von Friedensaktivisten und -befürwortern zusammenbringen. Dies ist natürlich ein schwieriger Prozess, der in öffentlichen Räumen, in denen viele dieser Stimmen wegen ihrer Äußerungen bedroht werden können, noch schwieriger ist. Es ist ein Prozess des Aufbaus von Vertrauen zwischen den Menschen, der Zeit braucht.

Andererseits bauen wir auf Beispielen früherer Konfliktlösungen und Diplomatie auf – vom Karfreitagsabkommen und dem jüngeren (und in gewisser Weise noch andauernden) Friedensprozess zwischen Kolumbien und der FARC bis hin zum Bericht über gemeinsame Sicherheit von 1982, der während des Kalten Krieges zur Kontrolle von Atomwaffen und zum Aufbau von Vertrauen zwischen Ost und West führte. Unsere Kampagne für gemeinsame Sicherheit begann im Jahr 2021 und wurde offiziell mit dem Bericht „Common Security 2022: For Our Shared Future” (Gemeinsame Sicherheit 2022: Für unsere gemeinsame Zukunft) gestartet. Ausgehend vom zentralen Konzept des ursprünglichen Berichts von 1982 lautet das zentrale Argument der gemeinsamen Sicherheit, dass Nationen und Bevölkerungen sich nur dann sicher fühlen können, wenn sich ihre Gegenparteien ebenfalls sicher fühlen; oder mit anderen Worten: Die Sicherheit des einen kann nicht auf Kosten der Sicherheit des anderen geschaffen werden – sie kann nur gemeinsam geschaffen werden.

Wir können dies in der Praxis beispielsweise am Beispiel des Wettrüstens beobachten, sei es in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft: Wenn ein Land versucht, sich einen militärischen Vorteil gegenüber einem anderen Land zu verschaffen, fühlt sich das andere Land bedroht, auch wenn keine direkten Drohungen ausgesprochen werden, und reagiert mit einer eigenen Militarisierung. Derzeit ist dies besonders relevant im Zusammenhang mit neuen Waffentechnologien wie künstlicher Intelligenz und autonomen Waffensystemen, Drohnentechnologien und der Militarisierung des Weltraums. Die Theorie der gemeinsamen Sicherheit beschränkt sich jedoch nicht nur auf Wettrüsten; ein weiteres Beispiel sind Menschenrechte und menschliche Sicherheit. Eine Regierung oder Nation kann die Rechte bestimmter Personen oder Personengruppen einschränken, indem sie behauptet, dass diese Rechte ein Risiko für ihre Sicherheit darstellen oder dass diese Einschränkungen zur Gewährleistung der nationalen Sicherheit notwendig sind. Solche Einschränkungen sind jedoch eine direkte Bedrohung für die Sicherheit dieser Personen und führen zwangsläufig zu tieferen Unruhen und Konflikten zwischen denen, die die Rechte einschränken, und denen, deren Rechte eingeschränkt wurden. Wir sehen dies in der fortgesetzten Besetzung der palästinensischen Gebiete durch Israel, die gegen das Völkerrecht verstößt, sowie in den US-Militärstützpunkten in Einrichtungen rund um China, die sich auf vielfältige Weise auf die lokalen Gemeinschaften ausgewirkt haben, von der Verschmutzung der Wasserversorgung und der Einschränkung der Bewegungsfreiheit bis hin zur Besetzung indigener Gebiete und Gewalt gegen die lokale Bevölkerung. In all diesen Beispielen wird die Sicherheit einiger über die Sicherheit anderer gestellt, was jedoch zu einem Nettoverlust an Sicherheit und zu einem erhöhten Risiko für Instabilität, Konflikte und Gewalt führt.

Zu den zentralen Grundsätzen der gemeinsamen Sicherheit gehört die Vorstellung, dass Dialog, Konfliktprävention und vertrauensbildende Maßnahmen anstelle von Aggression und militärischer Gewalt als Mittel zur Beilegung von Streitigkeiten eingesetzt werden müssen. Dies eröffnet Wege zur Suche nach Lösungen, die die Sicherheit aller beteiligten Parteien erhöhen und die Entwicklung von Systemen zur Vertrauensbildung, Versöhnung und Gerechtigkeit fördern können.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der gemeinsamen Sicherheit ist das Vertrauen in globale und regionale Zusammenarbeit, Multilateralismus und Rechtsstaatlichkeit. Hier spielen natürlich die Vereinten Nationen eine wichtige Rolle, aber auch regionale Institutionen wie die Afrikanische Union, der Verband Südostasiatischer Nationen, die Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Einige spielen derzeit eine direktere Rolle als andere, aber solche Gremien müssen innerhalb eines gemeinsamen Sicherheitsrahmens ausgestattet und befähigt werden, um Konfliktlösung und diplomatische Bemühungen für den Frieden zu unterstützen und zu leiten. Hier gibt es noch viel zu tun, und wir arbeiten mit Gruppen wie Helsinki +50 in Europa, der ASEAN-Konferenz der Zivilgesellschaft und anderen zusammen, um uns für eine größere Rolle der gemeinsamen Sicherheit und Diplomatie in ihrer Arbeit einzusetzen. Parallel zu diesen Bemühungen haben wir begonnen, regionalisierte Berichte zur gemeinsamen Sicherheit zu erstellen, die sich mit spezifischeren regionalen Themen befassen. Den ersten dieser Berichte, „Common Security in the Indo-Pacific” (Gemeinsame Sicherheit im Indopazifik), haben wir im Oktober 2024 veröffentlicht und arbeiten nun an weiteren Berichten für Europa, Afrika, Lateinamerika und darüber hinaus.

Anfang dieses Jahres haben wir außerdem gemeinsam mit unseren Kampagnenpartnern vom Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) und dem Olof-Palme-International-Center in Schweden eine Online-Konferenz zum Thema „Gemeinsame Sicherheit“ mit über 200 Teilnehmern veranstaltet – wobei anzumerken ist, dass der ehemalige schwedische Ministerpräsident Olof Palme der Initiator des ursprünglichen Berichts zur gemeinsamen Sicherheit war. Wir haben Gewerkschaftsführer, Friedensaktivisten, Wissenschaftler und Forscher, UN- und Regierungsbeamte und andere zu intensiven Diskussionen über gemeinsame Sicherheit, Abrüstung, Diplomatie und Konfliktlösung, einschließlich regionaler Diskussionen, zusammengebracht.

Abschließend möchte ich erwähnen, dass wir sowohl in den Berichten zur gemeinsamen Sicherheit als auch in der umfassenderen Arbeit des IPB zu Diplomatie und Konfliktlösung eine aktive Rolle der Zivilgesellschaft im Prozess der „ ” befürworten und fordern. Verhandlungen können und dürfen nicht länger nur eine Angelegenheit der politischen Führung sein, sondern müssen eine vielfältige Vertretung der Zivilgesellschaft einbeziehen, darunter vor allem auch Frauen in Führungspositionen. Unzählige Studien haben gezeigt, dass Verhandlungen eine viel höhere Erfolgsquote haben und dass Vereinbarungen länger Bestand haben und nachhaltiger sind, wenn die Zivilgesellschaft und Frauen aktiv einbezogen werden.


Die IPB warnt seit langem vor der Umleitung öffentlicher Gelder in den Militärbereich. Wie kann die heutige Friedensbewegung wirksam dafür eintreten, dass Regierungen stattdessen in soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und Bildung reinvestieren?

Das IPB führt seit 2014 die Globale Kampagne gegen Militärausgaben (GCOMS) durch, darunter jedes Jahr im April und Mai einen etwa einmonatigen Zeitraum, in dem wir zu globalen Aktionen aufrufen, um gegen den kontinuierlichen Anstieg der Militärausgaben zu protestieren: die Globalen Aktionstage gegen Militärausgaben (GDAMS). Trotz der weltweiten Aktionen während der mehr als zehnjährigen Kampagne stiegen die weltweiten Militärausgaben von 1,77 auf 2,71 Billionen US-Dollar (laut der Stockholm International Peace Research Association, SIPRI) und es gibt keine Anzeichen für eine Verlangsamung, insbesondere angesichts des Plans „Readiness 2030” in Europa, der jüngsten Haushaltsanträge der Trump-Regierung, die allein in den USA erstmals 1 Million Dollar überstiegen, und anderer Pläne Russlands, Chinas und anderer Länder für Erhöhungen. Leider hat die Kampagne noch nicht die Wirkung erzielt, die wir brauchen, um den Trend umzukehren.

Dennoch haben wir in den letzten Jahren Lehren gezogen und die Grundlage für eine globale Bewegung gegen Militärausgaben geschaffen – eine Bewegung, die sich der Kosten bewusst ist, die Militärausgaben für unser Wohlergehen mit sich bringen. Die erste und wichtigste Lehre ist die Bedeutung des Aufbaus von Koalitionen und einer intersektionalen und interdisziplinären Bewegung. Steigende Militärausgaben und ihre realen Auswirkungen sind nicht nur für diejenigen von Belang, die sich aktiv in der Friedensbewegung engagieren. IPB ist Teil mehrerer internationaler Koalitionen, die diejenigen zusammenbringen, die sich mit den Überschneidungen von Frieden und Klimagerechtigkeit befassen, und hat dazu beigetragen, eine neue Aktionswoche ins Leben zu rufen, die seit zwei Jahren stattfindet und sich diesem Thema widmet. Wir haben engere Beziehungen zur Klimabewegung aufgebaut und über die hervorragende Berichterstattung unserer Kollegen informiert – unter anderem von Scientists for Global Responsibility, dem Conflict and Environment Observatory, Stop Wapenhandel, dem Transnational Institute, IPPNW Deutschland, Centre Delas und Tipping Point North South – über die Auswirkungen der militärischen CO2-Emissionen und der steigenden Militärausgaben auf die Umwelt und das Klima.

Unsere Zusammenarbeit darf sich jedoch nicht nur auf die Klimabewegung beschränken. Ein weiterer wichtiger Partner sind die internationalen Gewerkschaften und Arbeitnehmer weltweit, die für einen Großteil der sozialen Sicherheitsnetze gekämpft haben, die wir heute haben, und die nun mit ansehen müssen, wie diese unter unseren Füßen weggerissen werden. Unsere Partnerschaften betonen die sozialen Folgen steigender Militärausgaben, einschließlich der Gefahren für Rentenfonds, Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung und Bildung. Im Bildungsbereich vertiefen wir auch unsere Partnerschaft mit öffentlichen Bildungsträgern auf der ganzen Welt, die schon vor den jüngsten Sprüngen bei den Militärausgaben mit Budgetkürzungen, niedrigen Gehältern, hohen Burnout-Raten und einem Mangel an angemessenen Ressourcen oder Betreuung sowie dem Druck zur Zensur im Unterricht konfrontiert waren. Pädagoginnen und Pädagogen sowie Schülerinnen und Schüler in Konfliktgebieten sind noch größeren Gefahren ausgesetzt. Die internationale Lehrergewerkschaft Education International hat die Kampagne „Go Public!“ zur Finanzierung von Bildung ins Leben gerufen, die vom IPB unterstützt wird. Die arbeitende Bevölkerung weltweit ist am unmittelbarsten und direktesten von den sich wandelnden militarisierten Prioritäten unserer Regierungen betroffen und daher ein wichtiger Partner.

Wir arbeiten auch daran, ein viel breiteres Spektrum von Aktivisten in unsere Arbeit einzubeziehen, darunter Menschenrechtsverteidiger, Aktivisten für soziale Gerechtigkeit, Mediziner, pro-demokratische Aktivisten, ländliche und indigene Völker und viele mehr. In all diesen Fällen ist es jedoch wichtig, dass wir die Menschen zunächst dort abholen, wo sie stehen, und der Aufbau von Vertrauen und Beziehungen braucht natürlich einige Zeit.

Gleichzeitig beobachten wir, dass ihr Interesse am Thema Militärausgaben zunimmt, da die Kürzungen in anderen Bereichen immer deutlicher und drastischer werden. Einige Gruppen zeigen natürlich ein wachsendes Interesse und erkennen, dass sie sich zu diesem Thema äußern müssen. Insbesondere in Europa haben wir dies nach der Ankündigung von „Readiness 2030” hautnah miterlebt, das ursprünglich unter dem Namen „ReArm Europe” angekündigt wurde, bevor es aus PR-Gründen umbenannt wurde. Zusammen mit einer Vielzahl europäischer und internationaler NGOs haben wir die „Stop ReArm”-Kampagne ins Leben gerufen, die mittlerweile fast 750 Unterzeichnerorganisationen aus ganz Europa umfasst und weit über Organisationen hinausgeht, die sich ausschließlich für den Frieden einsetzen.

Eine weitere wichtige Erkenntnis bei der Fortsetzung unserer Kampagne gegen Militärausgaben ist, dass diese nicht in einem Vakuum steigen. Solange politische Führer die Ausgabensteigerungen weiterhin einem externen Feind anlasten und die Menschen davon überzeugen können, dass diese Steigerungen die Verluste, die sie uns an anderer Stelle kosten, wert sind, können wir nur begrenzten Erfolg haben. Für eine erfolgreiche Kampagne gegen Militärausgaben müssen wir uns auch nachdrücklich gegen das größere Problem der Logik des Militarismus und der Abschreckungstheorie einsetzen, die fälschlicherweise behaupten, dass höhere Ausgaben unsere Sicherheit gewährleisten – was uns wieder zur Logik der gemeinsamen Sicherheit als Alternative zurückbringt.

Gegenseitige Kürzungen der Militärausgaben, die Teil der Empfehlungen des Berichts von 2022 sind, können dazu beitragen, mehr Sicherheit für alle zu schaffen und gleichzeitig Geld freizusetzen, wo es so dringend benötigt wird. Hier arbeiten wir an mehreren Fronten: Erstens sind wir Teil der Kampagne „10 % für alle“, einer globalen Kampagne, die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung ins Leben gerufen wurde, um alle Staaten weltweit dazu zu bewegen, sich zu einer Reduzierung um 10 % zu verpflichten und damit alle Bedenken hinsichtlich eines Sicherheitsverlusts durch einseitige Abrüstung auszuräumen. Zweitens arbeiten wir mit internationalen Partnern zusammen, um Druck für die Einberufung einer vierten Sondersitzung zu Abrüstung bei den Vereinten Nationen auszuüben. Die letzte Sondersitzung fand 1988 statt, und die Regierungen haben eine neue Sitzung immer wieder hinausgezögert – obwohl beim UN-Gipfel der Zukunft im letzten Jahr ein Aufruf zur SSOD-IV in den einstimmig verabschiedeten Pakt für die Zukunft aufgenommen wurde.

Die Vereinten Nationen sind ebenfalls ein wichtiger Verbündeter von GCOMS, und die Hohe Vertreterin für Abrüstungsfragen, Izumi Nakamitsu, hat sich in den letzten Jahren mit öffentlichen Erklärungen an der Kampagne beteiligt. Sie hat wichtige GCOMS-Sitzungen einberufen, darunter auch eine Folgekonferenz zum neuen Bericht des UN-Generalsekretärs „Die Sicherheit, die wir brauchen: Neuausrichtung der Militärausgaben für eine nachhaltige und friedliche Zukunft“. Der Bericht, der ein weiterer vereinbarter Punkt des Pakts für die Zukunft war, ist die neueste Bewertung aller Kosten, die der Anstieg der Militärausgaben für die Weltgemeinschaft verursacht hat. Dies sind wichtige Instrumente und Partner für die Zukunft, aber die Aufgabe, Druck auf unsere Regierungen auszuüben, um Veränderungen herbeizuführen, liegt letztendlich allein bei der Zivilgesellschaft.


Wie gelingt es dem IPB, junge Menschen für die Friedensförderung zu gewinnen – insbesondere in einer Zeit, in der mehrere Krisen (Klima, Wirtschaft und bewaffnete Konflikte) um ihre Aufmerksamkeit konkurrieren?

Zunächst muss angemerkt werden, dass IPB seit 2022, als ich Geschäftsführer wurde, intern einen bedeutenden Generationswechsel durchlaufen hat. Obwohl ich mich mit 34 Jahren nicht mehr als jung bezeichnen würde, bin ich doch der älteste Mitarbeiter von IPB. Meine Kollegen, alle unsere Mitarbeiter, sind unter 35 Jahre alt. Dies gilt auch für unsere Leitungsgremien, den Vorstand und den Rat, denen viele junge Menschen angehören und die den Dialog und Austausch zwischen den Generationen fördern. Der beste Weg, junge Menschen zu engagieren, besteht nicht darin, sie als Publikum oder als Zielgruppe zu betrachten, die überzeugt werden muss, sondern sie als Gleichaltrige direkt in die Arbeit und Projekte einzubeziehen.

Ältere Generationen von Aktivisten verfügen zwar über unverzichtbares Wissen und Erfahrungen, die an jüngere Generationen weitergegeben und mit ihnen geteilt werden sollten, aber wir müssen auch anerkennen, dass jüngere Generationen viel zu bieten haben – und zwar nicht nur Erfahrungen mit sozialen Medien oder Praktika! Jüngere Generationen sind mit anderen Vorstellungen und einem anderen Verständnis von Frieden aufgewachsen, geprägt durch ihre Erziehung, die politische Kultur, in der sie aufgewachsen sind, und die Bedrohungen und Diskurse, die sie umgeben. Der Austausch dieser Perspektiven und Ansichten auf Augenhöhe, nicht als Lehrer und Mentor oder Chef und Angestellter, ist unerlässlich, um unser aller Verständnis von Frieden zu bereichern. Auch wenn wir unterschiedliche Ansichten und Meinungsverschiedenheiten zu bestimmten Themen haben – es kann eine Lernkurve geben –, müssen wir offen zuhören und uns austauschen.

In der Praxis bedeutet dies auch, junge Redner zu Veranstaltungen einzuladen, ihre Projekte und Interessen zu fördern und zu unterstützen und sie in die Planung von Veranstaltungen einzubeziehen – aber es bedeutet auch, Einzelgespräche und Austausch zu führen und im Laufe der Zeit Vertrautheit, Vertrauen und Zusammenarbeit aufzubauen. Für den IPB-Weltfriedenskongress 2021 in Barcelona haben wir einen Mindestanteil von 40 % der Redner und Workshop-Organisatoren auf Jugendliche unter 35 Jahren festgelegt und diesen Anteil nicht nur übertroffen, sondern durch ihr Engagement auch viel gelernt, was zur Gestaltung der Konferenzagenda beigetragen hat.

Wenn es um konkurrierende Aufmerksamkeit geht, liegt einer der Schlüssel wiederum im intersektionalen und bewegungsübergreifenden Dialog und in der Zusammenarbeit. Ich glaube, dass junge Menschen besser als viele ältere Menschen wissen, dass die Krisen, mit denen wir konfrontiert sind, eng miteinander verbunden sind – und sie haben schon in jungen Jahren ein tieferes Verständnis für die Vernetzung der Menschen auf der ganzen Welt entwickelt, da sie mit Technologien aufgewachsen sind, die es ihnen ermöglichen, zu sehen und zu erfahren, was anderswo auf der Welt geschieht, und leichter über Grenzen hinweg mit Menschen in Kontakt zu treten – wenn auch noch mit einigen Einschränkungen.

Ein weiteres Problem ist natürlich die Apathie, die allerdings nicht auf junge Menschen beschränkt ist. Angesichts der schwierigen Lage in der Welt entscheiden sich viele junge Menschen dafür, sich nicht zu engagieren, sei es, weil sie glauben, dass sich nichts ändern lässt, oder weil sie von den Krisen, mit denen wir konfrontiert sind, überfordert sind. Dieses Problem ist schwieriger anzugehen, aber ich würde sagen, dass Hoffnung das wichtigste Instrument ist, das wir haben. Auch wenn die Lage manchmal düster erscheint – und ich gebe zu, dass auch ich gelegentlich der Hoffnungslosigkeit erliege –, müssen wir daran glauben, dass wir etwas verändern können und dass wir alle eine Rolle dabei spielen, diese Veränderung zu verwirklichen. Unsere Botschaften dürfen nicht nur von Angst, Verzweiflung und dem, was wir ablehnen, geprägt sein. Wir müssen auch Botschaften der Hoffnung und unserer eigenen Handlungsfähigkeit vermitteln, um diese Veränderung zu bewirken. Wir müssen betonen, dass jeder etwas tun kann und dass unsere gemeinsamen Anstrengungen Veränderungen bewirken. Es gibt ein Zitat an der East Side Gallery hier in Berlin, das mir immer im Gedächtnis geblieben ist und diesen Punkt unterstreicht: „Viele kleine Menschen, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“


Wie arbeitet die IPB in einer Zeit wachsenden Misstrauens zwischen Staaten und internationalen Institutionen daran, Vertrauen wiederaufzubauen und die multilaterale Zusammenarbeit für den Frieden zu stärken?

Der Zustand des Multilateralismus und der internationalen Institutionen ist derzeit äußerst besorgniserregend. Die Vereinten Nationen sind durch Vetos im Sicherheitsrat, Finanzierungsengpässe und strukturelle Ungleichgewichte, darunter die fehlende Vertretung Afrikas und Lateinamerikas unter den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats, daran gehindert, sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen. Waffenkontroll- und vertrauensbildende Mechanismen brechen zusammen oder sind blockiert – die Treffen zum Atomwaffensperrvertrag endeten in den letzten Jahren ohne Konsens, und in den Plenarsitzungen beschuldigen sich die Vertragsstaaten gegenseitig der Verstöße, während sie sich weigern, ihre eigenen Übertretungen anzuerkennen. Osteuropäische Staaten, die dem Atomwaffen -Vertrag beigetreten sind, haben das Übereinkommen über das Verbot von Antipersonenminen verlassen. Die großen Atommächte weigern sich, die Existenz des Vertrags über das Verbot von Kernwaffen (TPNW) anzuerkennen, obwohl die Mehrheit der Staaten den Vertrag unterzeichnet hat.

Die Liste ließe sich fortsetzen, und fast niemand, den ich kenne, rechnet in naher Zukunft mit einer Verbesserung der Lage. Es gibt keine Patentlösung – vielmehr ist das Scheitern des Multilateralismus eine Folge der sich wandelnden geopolitischen Ordnung. Die Weltmächte konkurrieren nun auch um die Zukunft der globalen Governance. Daher konzentriert sich ein Teil der Arbeit der IPB erneut darauf, das Bewusstsein zu schärfen, aufzuklären und sich über die Dringlichkeit des Augenblicks auszutauschen. In gewisser Weise spiegelt dies die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg oder die Zwischenkriegszeit wider – allerdings jetzt natürlich mit der Bedrohung durch Atomwaffen, neuen Waffentechnologien und einer viel breiteren Machtverteilung.

Nichtsdestotrotz ist eine Welt ohne globale Governance oder multilaterale Austauschforen eine viel riskantere Welt als eine Welt mit einer zwar unvollkommenen, aber dennoch existierenden Organisation der Vereinten Nationen. Auf der jüngsten IPB-Dreijahresversammlung, dem größten internen Treffen und strategischen Planungstreffen des IPB, wurde eine Resolution verabschiedet, in der sich das IPB verpflichtet, sich intensiver an der Debatte über die Reform der globalen Governance zu beteiligen. Diese Arbeit begann bereits 2024 mit der Beteiligung der IPB am UN-Gipfel der Zukunft, einem Treffen, das sich der Schaffung eines Weges für ein effektiveres UN-System widmete. Die IPB trug zur Ausarbeitung des Pakts für die Zukunft bei, und obwohl wir nach wie vor enttäuscht sind über die Abschwächung des Entwurfs, muss doch angemerkt werden, dass alle UN-Mitgliedstaaten den Pakt für die Zukunft einstimmig verabschiedet haben. Das umfangreiche Dokument des Pakts deckt eine Vielzahl von Themen und Maßnahmen ab, die hier nicht alle aufgezählt werden können – ich habe bereits einige erwähnt, aber ich möchte auch die Forderungen nach einer Reform des Sicherheitsrats und einer Stärkung der UN-Generalversammlung hervorheben. Für die Umsetzung muss die Zivilgesellschaft jedoch unsere Staats- und Regierungschefs dazu drängen, diese Verpflichtungen auch einzuhalten.

Seitdem haben wir mehrere interne und öffentliche Workshops abgehalten, um über den Pakt hinauszugehen und weitere Maßnahmen und Koalitionen zu organisieren, die sich der Reform der globalen Governance widmen. Manchmal umfasst dies auch Partnerschaften mit Vertretern von Staaten und UN-Missionen, die sich ebenfalls für die Stärkung internationaler Institutionen für den Frieden einsetzen. Wir haben auch das Glück, eng mit dem Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen, Guy Ryder, zusammenzuarbeiten, der mit der UN80-Reform und der Umsetzung des Pakts beauftragt ist. Von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der globalen Governance ist die aktive und vollständige Einbeziehung der Zivilgesellschaft in multilaterale Rahmenwerke für den Frieden. Im Zuge des Wachstums und der Ausweitung unserer Kampagne werden wir unser Netzwerk informieren und einladen, mit uns in diesem Prozess zusammenzuarbeiten und aktiv zur Vision einer Reform für Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit beizutragen, die wir aus der Perspektive der Zivilgesellschaft sehen.

Natürlich beschränkt sich die globale Governance nicht nur auf die Vereinten Nationen. Mit unserem Ansatz der gemeinsamen Sicherheit wollen wir auch regionale Gremien für multilaterale Governance und Konfliktlösung stärken. Wir müssen auch Rüstungskontroll- und vertrauensbildende Verträge unterstützen und verteidigen. Deshalb setzen wir uns nachdrücklich für Abrüstungs- und vertrauensbildende Verträge wie den TPNW- und den Ottawa-Vertrag sowie den Weltraumvertrag und darüber hinaus ein. Wir müssen die internationale Architektur für Abrüstung und Vertrauensbildung mit neuen Verträgen stärken und Staaten zur Rechenschaft ziehen, wenn sie solche Verträge nicht einhalten oder ignorieren.

Und natürlich müssen wir Druck auf unsere Regierungen ausüben, wo auch immer wir uns auf der Welt befinden, damit sie sich an das Völkerrecht halten und internationale Institutionen finanziell, politisch und tatkräftig unterstützen. Vor achtzig Jahren kamen die Staats- und Regierungschefs der Welt zusammen, um die UNO zu gründen, um „künftige Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren”, doch heute haben sie diese Lektion vergessen und uns wieder an den Rand des Abgrunds gebracht. Es ist unsere Pflicht, sie daran zu erinnern.

Die Fragen stellte Yannick Kiesel

ENGLISH VERSION

How does the IPB respond to the growing militarization worldwide — particularly in light of the war in Ukraine, the conflicts in the Middle East, and the rising U.S.–China rivalry?

The rising levels of militarism and militarization we see around the world are on one hand a symptom of a world in the midst of dramatic change, and on the other hand a failure of world leaders to utilize and prioritize alternatives to militarism. The reality is that the post-Cold War order can no longer be maintained and the uncertainties – economic, geopolitical, social, and beyond – have empowered authoritarian and militarist-oriented leadership to rise or remain in power, while plunging the world deeper into uncertainty, confrontation, and violence. It is a contestation for what the future will look like, who will design it, and who will benefit from it.

Within this context, IPB has the double role of both addressing the root causes and responding to the immediate threats with calls for de-escalation. It is a massive undertaking, of course, and the IPB cannot do it alone. Each conflict has global, regional, and local factors, historic, and actual, which complicate conflict resolution and drive militarization. At the same time, if we don’t raise awareness and attention of the larger geopolitical changes, it is much harder to make sense of what is currently happening, such as the global dynamics and interventions in local conflicts, the vast network of arms deals and trade, both legal and illicit, and the potential risks of escalation and expansion of conflict. Most world leaders do not speak openly about the geopolitical shifts, although it becomes more apparent when digging into military doctrines and rearmament plans that our leaders are aware; yet, the general public is almost entirely left out of such discourse of what the future should look like.

One central role of IPB in that sense is education and informing, both on what is happening on the ground in conflict zones and in terms of the larger picture. In regards to the former, IPB is uniquely positioned, not because our staff is particularly knowledgeable on conflict zones, but rather because we have a large and trustworthy network of colleagues and grassroots activists who are reliable and knowledgeable on addressing the conflicts from a peace perspective. We have colleagues in Sudan and the Eastern DRC that have helped us and our network to understand what is really happening on the ground, beyond the headlines, and foster conversations on international solidarity and support. We have colleagues in the Philippines, Guam, Japan, and South Korea, among others, cautioning against the increased military tensions and aggressions by both China and the US. We work closely with conscientious objectors from Russia and Ukraine who refuse to participate in Russia’s war of aggression and base their solutions in international law. And we work with Palestinian and Israeli civil society organizations committed to ending the genocide and cycle of violence, fostering reconciliation and justice in the long-run. In all cases, it is important for us to focus on our shared humanity, and to separate the people from the governments that have launched and continue these wars.

That is not to say there aren’t gaps – and we must acknowledge that in times of active conflict it becomes much more difficult for peace activists on the ground, due to polarization, the capture and misuse of the term ‘peace’ by those pursuing military action and human rights violations, the pressure such activists face by their own peers and by forces who do not want peace, and so on. Therefore, we have also dedicated time and effort to finding better ways to protect voices for peace in conflict zones and ensure that their voices can be heard as loud, if not louder, than the warmongerers.

Simultaneously, we continue to educate on the larger global trends toward militarism and the consequences that continuing down the path of militarization, confrontation, and conflict will take us – including a restriction of democratic space, human rights violations, and the expansion and explosion of conflict in more spaces, as much internationally as regionally and locally. We continue to outline alternative approaches, using the past as an example while looking at fresh and new examples for the future. This includes reviving the concept of Common Security, which helped to reduce tensions and foster trust-building during the height of Cold War nuclear tensions, as well as our long-running work on the costs of military spending increases, which deprive our societies of funds so badly needed for social welfare and international solidarity, including recent cuts we have seen in Europe and the US to foreign aid. Continuing down the current path becomes a self-fulfilling prophecy where further social cuts will create deeper instability in our societies and push us deeper into isolationism, nationalism, militarism, and xenophobia, while also exacerbating the conflicts within a society – such as economic, social, and gender inequalities, and the destabilizing effects of the climate emergency.

In this way, it has become vitally important for the global peace movement to acknowledge and connect with other social movements for exchange and to deepen understanding on the interlinkages of the crises we are facing. The international peace movement is experiencing a rebirth in many ways, as people the world over become more fearful of the future of peace and war. But it is still not large or effective enough to address the wide array of conflicts, wars, tensions, and genocides we face as a planet. It is a process that continues and that we must foster and support in every corner of the world. It has never been so important to foster a truly global peace movement, so that is what we must continue to do.


What concrete strategies or programs is the IPB currently promoting to make civil conflict resolution and diplomacy more visible and effective compared to military approaches?

In some way, all of our programs and campaigns center around the importance of and need for diplomacy and conflict resolution from different angles and approaches – from education and public campaigns to research, reports, and engagement with political leaders and multilateral institutions. One of IPB’s central messages is that war is a continuation of politics by other, unacceptable means. The costs of war are always greater than the costs of diplomacy and negotiations; war is zero-sum thinking, while diplomacy can foster alternative and creative solutions. Diplomacy and negotiations are difficult, however, while war is ‘easy’, in the sense that leaders can manufacture consent through the creation of the “other”, an unknown and feared threat.

This also means that we have to combat rhetoric of polarization, otherization, and militarism by presenting alternatives. On one hand, we have done this and continue to do so by bringing together voices for peace across the borders of conflict zones, and more broadly within our global network of peace activists and advocates. This is of course a difficult process, and even harder to do in public spaces where many such voices can face threats for speaking up. It is a process of people-to-people trust building which takes time.

On the other hand, we build on examples of past conflict resolution and diplomacy – from the Good Friday Agreement and the more recent (and in some ways still ongoing) Colombian-FARC peace process, to the Common Security report of 1982 which led to nuclear arms control and trust-building between the East and West during the Cold War. Our Campaign for Common Security began in 2021 and formally launched with the report “Common Security 2022: For Our Shared Future”. Based in the central concept of the original 1982 report, the central argument of Common Security is that nations and populations can only feel safe when their counterparts feel safe; or in other words, security of one cannot be created at the expense of another’s security – it can only be created alongside one another.

We can see this in practice, for example, with the arms race, whether past, present, or future – that when one country seeks to gain a military advantage over another, the other country will feel threatened, even if no direct threats are made, and will respond with their own militarization. Right now this is particularly relevant around new weapons technologies like artificial intelligence and autonomous weapons systems, drone technologies, and the militarization of outer space. But the theory of common security is not limited just to arms races; to give another example, we can look at human rights and human security. A government or nation may limit the rights of certain persons or groups of persons by claiming that those rights are a risk to their security, or that these limits are needed to ensure national security; however, such limitations are a direct threat to these persons securities and will necessarily lead to deeper unrest and conflict between those limiting rights and those who have had their rights limited. We see this in Israel’s continued occupation of the Palestinian territories, against international law, as well as with the US’ military bases in facilities surrounding China, which have impacted local communities in diverse ways, from contaminating water supplies and limiting freedom of movement to the occupation of indigenous territories and violence against local populations. In all such examples, the security of some is valued over the security of others but the result is a net loss of security and the creation of greater risks for instability, conflict, and violence.

Among the central principles of common security is the notion that dialogue, conflict prevention, and confidence-building measures must replace aggression and military force as a means of resolving disputes. Doing so opens up avenues to finding solutions which can increase the security of all parties involved and foster the development of systems of trust-building, reconciliation, and justice.

Another important component of common security is a reliance of global and regional cooperation, multilateralism, and rule of law. Here, of course the United Nations is quite relevant, but so are regional institutions such as the African Union, Association of Southeast Asian Nations, the Community of Latin American and Caribbean States, and the Organization for Security and Cooperation in Europe, among others. Some play more direct roles than others at the moment, but such bodies must be equipped and empowered within a common security framework to support and lead conflict resolution and diplomatic efforts for peace. Much work is still to be done here and we are working with groups like Helsinki +50 in Europe, the ASEAN Civil Society Conference, and others to campaign for a greater role for common security and diplomacy in their work. Alongside these efforts, we have begun to develop regionalized common security reports that address more specific regional themes. We published the first of these reports, Common Security in the Indo-Pacific, in October 2024 and now are working to develop further reports for Europe, Africa, Latin America, and beyond.

Earlier this year, we also hosted an online conference with over 200 attendees on Common Security, alongside our campaign partners at the International Trade Union Confederation (ITUC) and the Olof Palme International Center in Sweden – noting that former Swedish Prime Minister Olof Palme was the convener of the original common security report. We brought together trade union leaders, peace activists, academics and researchers, UN and government officials, and more for deeper discussions on common security, disarmament, diplomacy, and conflict resolution, including regionalized discussions.

Lastly, I should mention that both in the common security reports and in IPB’s larger work on diplomacy and conflict resolution, we advocate for and demand an active role for civil society in the process. Negotiations cannot and must not continue to be a matter just for political leadership, and must include diverse representation of civil society, including importantly women’s leadership. Countless studies have shown that negotiations have a much higher success rate and that agreements are longer lasting and more sustainable with the active involvement of civil society and women.


The IPB has long warned about the diversion of public funds toward the military. How can today’s peace movement effectively advocate for governments to reinvest in social justice, climate action, and education instead?

IPB has run the Global Campaign on Military Spending (GCOMS) since 2014, including a period of around one month in April-May each year where we encourage global action to address and advocate against the continued year-on-year rise in military spending, the Global Days of Action on Military Spending (GDAMS). Despite global action during the more than 10 years of campaigning, military spending globally rose from 1.77 to 2.71 trillion US dollars (according to the Stockholm International Peace Research Association, SIPRI) in the last decade and shows no signs of slowing, particularly given the Readiness 2030 plan in Europe, the Trump administration’s recent budget requests, which for the first time surpassed 1 million dollars in the US alone, and other plans by Russia, China, and beyond for increases. So unfortunately, the campaign has not yet made the impact we need to reverse the trend.

Nonetheless, we have learned lessons in recent years and built up the foundation for a global movement against military spending – one that is deeply aware of the costs of military expenditure to our welfare. The first and most essential lesson is the importance of coalition-building and intersectional and interdisciplinary movement. Rising military expenditures and their real world impacts are not only a concern for those actively engaged in the peace movement. IPB is part of a several international coalitions that bring together those working on the overlap of peace and climate justice and helped to found a new week of action, which has run the past two years, dedicated to this overlap. We have been building stronger relations with the climate movement and informing on the excellent reporting done by our colleagues – among others, those at Scientists for Global Responsibility, the Conflict and Environment Observatory, Stop Wapenhandel, the Transnational Institute, IPPNW Germany, Centre Delas, and Tipping Point North South – on military Carbon emissions and military spending increases’ impacts on the environment and climate.

Our collaboration must not be limited to just the climate movement, however. Another important partner has been the international trade unions and workers around the world – who have fought for much of the social safety nets we now have, and who are seeing them torn out from under our feet. Our partnerships emphasize the social consequences of military spending increases, including the threats to pension funds, healthcare, childcare, and education. With regards to education, we also have a deepening partnership with public educators around the globe who, even prior to the recent jumps in military spending, have been facing budget cuts, low salaries, high rates of burnout and a lack of proper resources or care, and pressures to censor classrooms. Educators and students in conflict zones face even greater threats. Education International, the international teachers union, has launched the Go Public! Campaign to fund education, which IPB is supporting. The working people of the world are those most immediately and directly affected by the shifting militarized priorities of our governments and are a vital partner.

We are also working to include a much wider range of activists in our work, including human rights advocates, social justice activists, medical professionals, pro-democracy campaigners, rural and indigenous peoples, and more. But it is important in all these cases that we must first meet people where they are at, and the trust and relationship building naturally takes some time.

Simultaneously, we see their interest in the topic of military spending rise as the cuts in other sectors become much more apparent and drastic. Some groups are naturally becoming more interested and realizing that they must be vocal on the subject. In Europe in particular, we have experienced this firsthand in the follow-up to the announcement of Readiness 2030, which was initially announced as ReArm Europe, before they rebranded it for public relations reasons. Together with a wide array of European and International NGOs, we launched the Stop ReArm Campaign which now has nearly 750 organizational signatories from across Europe and spreads much wider than organizations dedicated solely to peace.

Another important lesson as we carry our campaign against military spending forward is that military spending increases do not happen in a vacuum. As long as political leaders can continue to blame spending increases on an external enemy and convince people that these increases are worth the losses they cost us elsewhere, we can only have limited success. For a successful campaign against military spending, we must also campaign strongly against the larger issue of the logic of militarism and deterrence theory which falsely claim that increases in expenditure will keep us safe – which brings us back to the logic of common security as the alternative.

Mutual reductions in military spending, part of the recommendations in the 2022 report, can help to foster greater security for all while also freeing up money where it is so badly needed. Here, we are working on a few fronts: firstly, we are a part of the 10% for all campaign, a global campaign initiated by the Rosa Luxemburg Stiftung to push for all states around the world to commit to a 10% reduction, displacing any concerns of a loss of security by unilateral disarmament. Secondly, we have been working with international partners to pressure for the convening of a Fourth Special Session on Disarmament at the United Nations. The last Special Session was held in 1988 and governments have time and time again delayed a new session – although at the UN Summit of the Future last year, a call for SSOD-IV was included in the unanimously approved Pact for the Future.

The United Nations has also been a key ally of GCOMS, and the High Representative for Disarmament Affairs, Izumi Nakamitsu, has participated in the campaign with public statements the past several years. She has convened important GCOMS meetings, including following up on the new UN Secretary-General report, “The Security We Need: Rebalancing Military Spending for a Sustainable and Peaceful Future”. The report, which was another agreed-upon point from the Pact for the Future, is the latest assessment of all the costs that military spending increases have had on the global community. These are important tools and partners moving forward, but the work of pressuring our governments to make change ultimately falls on civil society alone.


How does the IPB succeed in engaging young people in peacebuilding — especially at a time when multiple crises (climate, economic, and armed conflicts) are competing for their attention?

Firstly, it must be noted that IPB has internally gone through a significant generational change since 2022, when I became Executive Director. Although I no longer consider myself to be youth, at the age of 34, I am on the cusp and the oldest employee of IPB. My colleagues, all our staff, are under 35. This has also extended to our governing bodies, the Board and Council, which include many youth and foster intergenerational dialogue and exchange. The best way to engage youth is not to see them as an audience or a demographic that has to be convinced, but rather to bring them directly into the work and projects as peers.

While older generations of activists have indispensable knowledge and experience, which should be passed down and shared with younger generations, we must acknowledge that younger generations also bring a lot to the table – and not just social media experience or working as interns! Younger generations have grown up with different perceptions and understandings of peace, shaped by their upbringings, the political culture in which they come of age, and the threats and discourse that surround them. The exchange of these perspectives and views, on equal footing, not as teacher and mentor or boss and employee, is essential to enrich all of our understanding of peace. Even if we have different views and disagreements on certain issues – there can be a learning curve – we must listen and exchange with an open mind.

In practice, this also means inviting youth speakers for events, encouraging and supporting their projects and interests, and involving them in the planning of events – but it also means having one-on-one discussions and exchanges, building familiarity, trust, and cooperation over time. For the IPB World Peace Congress in 2021 in Barcelona, we set a minimum percentage of 40% of speakers and workshop organizers to be youth under 35 and not only surpassed that amount, but learned a lot through their engagement which helped to shape the conference agenda.

When it comes to competing attention, one of the keys lies again in the intersectional and inter-movement dialogue and cooperation. I think youth know better than many in the older generation that the crises we are facing are deeply connected to one another – and they also have developed at a young age a deeper understanding of the interconnectedness of peoples across the world, as they have grown up with technology which allows them to see and learn what is happening elsewhere in the world and to connect with people more easily across borders – albeit still with some limits.

While it’s not limited to youth, another issue of course is apathy. With the difficult state of the world today, many young people may choose not to engage, whether because they feel that nothing can change or they are too overwhelmed by the crises we face. This is harder to address, but I would argue the most important tool we have is hope. Despite how grim things can look sometimes – and I confess that I myself occasionally succumb to hopelessness – we have to believe that we can make a change, and that we all have a role to play in realizing that change. Our messages cannot only be ones of fear, despair, and what we are against. We must also have messages of hope and of our own agency to make that change. We must emphasize that there is something that everyone can do and that our combined efforts are what makes change. There is a quote on the East Side Gallery here in Berlin that always stuck with me and emphasizes this point – “Many small people who in many small places do many small things can alter the face of the world.”


In an era of growing mistrust between states and international institutions, how is the IPB working to rebuild trust and strengthen multilateral cooperation for peace?

The state of multilateralism and international institutions is extremely concerning these days. The United Nations is paralyzed from taking meaningful action – by Security Council vetos, by funding shortages, and by structural imbalances, including lack of any representation of Africa or Latin America in the permanent members of the Security Council. Arms control and trust-building mechanisms are collapsing or gridlocked – the Nuclear Non-Proliferation Treaty meetings have ended without consensus in recent years and the plenaries consist of states parties accusing one another of violations while refusing to acknowledge their own transgressions. Eastern European states have left the Anti-Personnel Mine Ban Convention. Major nuclear powers refuse to acknowledge the existence of the Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons (TPNW) despite the majority of states having signed the treaty.

The list goes on, and nearly no one I know expects any improvement in the near future. There is no one magical solution – rather, the failure of multilateralism is a consequence of the shifting geopolitical order. Global powers are now also competing for the future of global governance. So part of the work at IPB is again focused on raising awareness, educating, and exchanging on the urgency of this moment. In some ways, it reflects the pre-World War I or the interwar period – but of course now with the threat of nuclear weapons, new weapons technologies, and a much wider distribution of power.

Nonetheless, a world without any global governance or multilateral exchange forum is a much more risky world than one with an existing, albeit flawed, United Nations. At the recent IPB Triennial Assembly, the largest internal IPB gathering and strategic planning meeting, a resolution passed committing IPB to engage deeper in the conversation on global governance reform. This work began already in 2024 with IPB’s involvement in the UN Summit of the Future, a meeting dedicated to creating a pathway forward for a more effective UN system. The IPB contributed to the drafting of the Pact for the Future, and though we remain disappointed by the weakening of the draft, it must be noted that all UN member states passed the Pact for the Future unanimously. The sprawling Pact document covers a wide range of issues and actions too long to list here – I’ve mentioned a few already, but I would be remiss not to highlight the calls for Security Council reform and the empowering of the UN General Assembly. For its implementation, however, civil society must push our leaders to follow through on these commitments.

We have since held several internal and public workshops to move beyond the Pact and organize further actions and coalitions dedicated to global governance reform. At times, this also includes partnerships with states representatives and UN missions that are likewise committed to strengthening international institutions for peace. We are also fortunate to work closely with the Under Secretary General of the UN, Guy Ryder, who is tasked with the UN80 reform and Pact implementation processes. Of critical importance to the future of global governance is the active and complete inclusion of civil society within multilateral frameworks for peace. As our campaign grows and expands, we will be informing and inviting our network to work with us in this process and to actively contribute toward the vision of reform for peace, democracy, and justice that we see from civil society.

Of course, global governance is not limited just to the United Nations. With our Common Security approach, we also seek to empower regional bodies for multilateral governance and conflict resolution. We also must support and defend arms control and trust-building treaties, which is why we campaign strongly for disarmament and trust-building treaties, like the TPNW and Ottawa Treaties, as well as the Outer Space Treaty and beyond. We need to strengthen the international architecture for disarmament and Trust-Building with new treaties and to hold states accountable when they do not comply or ignore such treaties.

And of course, we must put pressure on our governments, wherever we are in the world, to comply by international law and to support international institutions – financially, politically, and in action. Eighty years ago world leaders gathered to create the UN in order to “save succeeding generations from the scourge of war,” yet today they have forgotten this lesson and have brought us back to the brink. It is our duty to remind them.

Kategorie: Allgemein

13. Januar 2026

FRIEDENSPROFILE – Joris Fricker (GSoA)

Porträtreihe zu internationalen Friedensaktivist*innen

Bitte stellen Sie sich kurz vor – wer sind Sie und wie sind Sie zur GSoA (Gesellschaft für eine Schweiz ohne Armee) gekommen?

Mein Name ist Joris Fricker, 23 Jahre alt. Ich arbeite seit bald drei Jahren als politischer Sekretär für die GSoA. Ich war aber schon vorher Mitglied und schon lange Sympathisant. Endgültig angefixt hat mich die GSoA in der Kampfjet-Frage, als die Schweizer Stimmbevölkerung 2020 mit 8000 Stimmen Differenz JA gesagt hat zu neuen Kampfjets. Diese emotionale Abstimmung hat mir den Ärmel reingezogen.

Was hat Sie persönlich motiviert, sich gegen das Militär und für eine friedlichere Gesellschaft zu engagieren?

Für mich ist es unverständlich, dass es als normal hingenommen wird, dass das Militär – in meinen Augen eine konzipierte Tötungsmaschine – eine breit abgestützte Daseinsberechtigung hat. Noch schlimmer: Die Armee war und ist eine heilige Kuh. Sich mit ihr anzulegen, gilt als Hochverrat. Die GSoA aber schafft es seit über 40 Jahren, dieser Heiligen Kuh zumindest den Heiligenschein streitig zu machen, und das finde ich genial.

Gab es ein Schlüsselerlebnis oder eine prägende Begegnung, die Ihren Einsatz für den Frieden besonders geprägt hat?

Ich habe mich sehr fest mit der Geschichte der GSoA auseinandergesetzt. Die Mobilisierung für eine armeefreie Schweiz, die 1989 und in weiteren Kampagnen stattgefunden hat, ist für mich nach wie vor eindrücklich. Das ist so nachhaltig, dass es mir weiterhin Mut gibt, für eine friedliche und armeefreie Gesellschaft zu kämpfen. Ausserdem, wie oben erwähnt: Die Abstimmung über die Kampfjet-Frage 2020 hat mich endgültig in die Arme der GSoA und damit in die Friedens- und Sicherheitspolitik getrieben.

Welche Rolle spielt Ihr Engagement in der GSoA in Ihrem Alltag – was treibt Sie dabei am meisten an?

Aktuell sind gefühlt 90 Prozent der dominierenden Fragen und Themen, die gesamtgesellschaftlich diskutiert werden, mit den GSoA-Themen verbunden. Die militärische Aufrüstung und die Zunahme der bewaffneten Konflikte (was ja beides zusammenhängt) nimmt in einem Maße zu, dass es einem schwindlig werden kann. Umso wichtiger, dass jetzt eine Alternative präsentiert wird, die dieser unsicheren und tödlichen Aufrüstungsspirale entgegentritt. In meinem Alltag nimmt die Arbeit und der Aktivismus für die GSoA daher einen großen Platz ein.

Was bedeutet für Sie persönlich „Frieden“?

Eine Frage, über die ich einen Essay schreiben könnte. Darum mein Versuch in einem Satz: Eine Gesellschaft, in der alle Menschen sicher, ohne Existenzangst und gewaltfrei zusammenleben und in der dieser Zustand nachhaltig ist.

Gibt es Menschen oder Bewegungen, die Ihnen Vorbild oder Inspiration sind?

Alle pazifistischen und antimilitaristischen Vorkämpfer*innen von Rosa Luxemburg bis zu den Menschen, die 1989 die Schweizer Armee mittels einer Initiative nahezu abgeschafft haben respektive mit einem unglaublichen Resultat eine neue Vision salonfähig gemacht haben. Daran müssen wir anknüpfen.

Welche Herausforderungen erleben Sie ganz konkret in Ihrem Engagement – und was gibt Ihnen Hoffnung?

Ich merke einfach, wie wir konstant in der Defensive sind. Eigentlich müssten wir täglich mit unseren Ideen in die Offensive gehen und die Massen gegen diesen Aufrüstungswahn auf die Straße bewegen. Doch bevor man überhaupt daran denken kann, muss man diverse Errungenschaften verteidigen oder sich für das absolute friedenspolitische Minimum starkmachen. Auf die GSoA bezogen, heißt das: Wir müssen den Bundesrat zum Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag mittels Initiative bringen, die Verschlechterung des Zivildienstes und die Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes mittels Referendum bekämpfen. Das zerrt an den Kräften. Hoffnung aber gibt mir, dass die breite Bevölkerung vom Aufrüstungsdiskurs noch nicht komplett benebelt ist und diverse Umfragen zeigen, dass nicht alles, was geschrieben und von den Militärköpfen gefordert wird, auch wirklich eine breite Abstützung erfährt. Darauf müssen wir aufbauen.

Kategorie: Allgemein

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